Wechsler müssen sich beweisen
Gehaltsstudie. Die Zahl der vakanten Stellen nimmt wieder zu. Doch wer jetzt den Arbeitgeber wechselt, muss mit einem aufwendigen Rekrutierungsprozess rechnen. Denn wenn Arbeitgeber in zusätzliches Personal investieren, achten sie genau auf bisherige Erfahrungen.
Es gibt sie noch, freie Stellen in der Immobilienwirtschaft, die dringend besetzt werden müssen. Doch wer sich beruflich weiterentwickeln will, muss wissen, dass die Gehälter stagnieren. „Der zukünftige Weg von Zinssätzen und geopolitischen Ereignissen bestimmt, was auf dem Immobilienmarkt passiert und damit auch den Rekrutierungsmarkt und die Vergütungspakete“, fasst es die diesjährige Gehaltsstudie der Personalberatung Bohill Partners mit Sitz in London zusammen.
„Wir haben zu Jahresstart durchaus Veränderungen am Markt bemerkt und auch, dass das letzte Jahr für manche Firmen ein besseres war als noch zuletzt“, sagt Joseph Smith, der als Vice President des Unternehmens an der Studie mitgewirkt hat. Dennoch sieht er im Vergleich zu den Vorjahren nur flache Anstiege bei Fixgehältern und Boni im Gesamtschnitt. Echte Experten in einigen gefragten Interessenfeldern haben jedoch gute Chancen, bei einem Wechsel ein höheres Einkommen für sich herauszuschlagen. Das gelte in besonderem Maße für diejenigen, die sich mit Wohnportfolios, Gesundheitsimmobilien und Studentenwohnheimen auskennen. Aber auch das Feld Logistikimmobilien sei in Deutschland weiterhin stark gefragt. Zudem beobachtet Alice Fontana, Managing Partner bei Bohill Partners, dass internationale Investoren wieder verstärkt auf Einzelhandelsimmobilien in Deutschland setzen und dafür hierzulande Experten suchen, die einen Überblick über den Markt – vor allem in Bezug auf Supermärkte – mitbringen.
Asset-Management als Pluspunkt in der Vita
Stark gesucht seien zudem Asset-Manager. „Alles, was noch vor dem Start der Ukraine-Krise gekauft wurde, muss gemanagt werden. Dafür kommen zum Teil auch ehemalige Investment-Experten infrage, die vergleichbare Fähigkeiten mitbringen und in den vergangenen Jahren umgeschwenkt sind“, sagt Smith.
Dieses Phänomen sei öfter in den Lebensläufen von Bewerbern erkennbar. Weil in den letzten Jahren weniger Akquisefähigkeiten gefragt waren, waren es oft die Arbeitgeber, die die Aufgabenbereiche ihrer Mitarbeiter umgelegt haben. „Einige waren damit nicht zufrieden, doch andere auch ganz froh, denn die zusätzliche Perspektive auf mehr assetmanagementfokussierte Aufgaben ist für viele ein Plus im Lebenslauf“, sagt die Headhunterin. Sie denkt dabei vor allem an Private-Equity-Gesellschaften, die schon immer auf der Suche nach Experten mit umfangreichen und generalistischen Kenntnissen waren. Ein Wechsel in ein solches Unternehmen kann einen guten Gehaltssprung verschaffen. So verdient eine Asset-Managerin zwischen 100.000 und 135.000 Euro Basisgehalt, zuzüglich Boni von 50.000 bis 90.000 Euro auf Vice-President-Ebene. Als Direktor kann das Gesamtjahresgehalt von 250.000 bis 400.000 Euro reichen, während die gleiche Position bei einer Investmentgesellschaft zuletzt im Schnitt mit 180.000 bis 270.000 Euro pro Jahr vergütet wurde.
Doch mit einem Wechsel in ein Private-Equity-Unternehmen seien potenziell auch einige Herausforderungen verbunden, betont Fontana, die für ihre Kunden regelmäßig nach passenden Kandidaten sucht. „Die Returns sind im Private-Equity-Bereich höher, da risikofreudiger investiert wird. Darum können sie attraktive Vergütungspakete zahlen. Doch die Transaktionen sind auch komplex“, warnt sie. Eine Rolle in einer Private-Equity-Gesellschaft bedeute demnach mehr Arbeitsstunden pro Tag und immer wieder Einsätze am Wochenende. „Die Kultur ist eine andere“, formuliert es Fontana.
Genauer Blick auf den Track Record
Für gute Chancen im Investmentmanagement zähle der Track Record mehr denn je. „Da der Transaktionsmarkt in den letzten Jahren langsam war, ist es schwer, abgeschlossene Deals nachzuweisen“, weiß Fontana und auch, dass deshalb nicht jeder als Kandidat infrage kommt. Die Unternehmen achteten zuletzt mehr als früher darauf, welche Dealerfahrungen Bewerber vorweisen konnten. Nicht zuletzt, so berichten die Recruiter, habe sich aus dem genauen Blick auf die Bewerbungsunterlagen und Empfehlungsschreiben ein neues Aufgabenfeld für sie entwickelt. Denn selbst wenn ein Unternehmen bereits einen passenden Kandidaten in seinem eigenen Netzwerk ausgemacht hat, lassen Arbeitgeber die genauen Referenzen noch einmal final von den Personalexperten abklären. Sie recherchieren dann nach, wie tiefgreifend Bewerber tatsächlich zuletzt in ihre Projekte eingebunden waren, ob Schlüsselkontakte über Eigeninitiative zustande kamen und welche Rolle sie bei der Erstellung von Businessplänen und der Kontaktpflege zu allen Stakeholdern hatten.
Wer jedoch Transaktionserfolge vorzuweisen hat, die auf sein eigenes Netzwerk und nicht auf das seiner Kollegen oder Arbeitgeber zurückgehen, habe nach wie vor gute Chancen auf dem Markt. Für Angestellte bei einem Investmenthaus waren, Boni eingeschlossen, zuletzt je nach Position zwischen 150.000 Euro Jahresvergütung für einen Vice President und 600.000 Euro für einen Managing Director möglich.
Durch den veränderten Markt wurde laut der beiden Experten aber auch ein ganz anderes Skillset zuletzt immer gefragter. Fontana spricht von „Special Situations“ und „Distressed Assets“, die vor allem internationale Firmen verstärkt versuchen, Entwicklern, die in finanzielle Schieflage geraten sind, abzukaufen. „Um solche Deals zu finden, sind spezielle und tiefgreifende Netzwerke erforderlich. Wer diese Transaktionen anstrebt, muss sich auf viele Cold Calls einlassen und Entwicklern und finanzierenden Banken kreative Lösungen anbieten können“, so die Headhunterin.
Höhere Boni für Capital Raisers
Weit vorn bei den Gehältern bleiben die Capital Raisers. Schon auf der Stufe eines Vice Presidents waren in diesem Feld laut der Studie zuletzt bis zu 300.000 Euro Jahreseinkommen möglich. Auf der Ebene des Managing Directors wurden Gesamtgehälter von 425.000 bis 900.000 Euro gezahlt. Im Vorjahr lag das Limit noch bei 775.000 Euro, wobei der Untersuchung zufolge weniger die Basisgehälter, sondern vor allem die Boni in diesem Segment gestiegen sind.
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