← Zurück zur Übersicht

Immobilienunternehmen entdecken ihre Alumni

Aus den Augen, aus dem Sinn? Das muss nicht sein. So manch einer erinnert sich gern – meist mit zunehmendem zeitlichem Abstand – an seinen ehemaligen Arbeitgeber, manchmal auch von dem Gedanken der beruflichen Umorientierung getrieben. Die Sehnsucht trifft bei Unternehmen durchaus auf Gegenliebe. Denn wer weiß, ob die Ehemaligen bei geeigneten Stellenangeboten nicht wieder zurückgeholt werden oder als erster Ansprechpartner für Geschäfte bei ihrem neuen Arbeitgeber dienen können. Immer mehr Unternehmen bauen deswegen Alumni-Netzwerke für ihre ehemaligen Mitarbeiter auf.

Sonja Smalian
22. Oktober 2009

Die Idee der Alumni-Netzwerke ist nicht neu: Bereits seit 20 Jahren beobachtet Wolfgang Jäger, Professor für Personal und Medienmanagement an der Hochschule Rhein-Main, solche Bindungs-Konzepte bei Beratungsunternehmen. Mittlerweile haben andere Branchen nachgezogen, und die Hochschulen leben die Idee sowieso. Ein Blick auf die Internetplattform Xing.com weist allein 1.526 Gruppen in der Kategorie Firmen und 2.408 in der Kategorie Hochschulen aus. Dahinter verbergen sich nichts anderes als Mitarbeiter- bzw. Alumni-Netzwerke.

Auch bei der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte/Wohnstadt hätten sich immer wieder ehemalige Auszubildende gemeldet und den Kontakt zum Unternehmen und Informationen über aktuelle Projekte gesucht, sagt Susanne Bickel, Leiterin Personal bei der Unternehmensgruppe. Diese zählt mit mehr als 63.000 Wohnungen zu den größten Wohnungsunternehmen in Deutschland und bildet seit mehr als 50 Jahren über Bedarf aus, aktuell rund 40 Auszubildende. Da ist inzwischen eine große Zahl Ehemaliger zusammengekommen.

Anlaufstelle im Unternehmen

Oft erfolgt der Griff zum Hörer bei beruflichen und privaten Veränderungen wie dem Abschluss eines Studiums und bei Arbeitgeber- oder Wohnortwechsel, so Bickel. Für den offenkundigen Bedarf wollte das Unternehmen eine offizielle Anlaufstelle schaffen. Am 3. September ging das neue Alumni- Netzwerk online, für das sich alle ehemaligen und aktuellen Azubis registrieren können. Zur Auftaktveranstaltung in Frankfurt am Main hatten sich 35 Ehemalige gemeldet.

Das Forum (http://alumni.naheimst.de) wird vom Fachbereich Personalentwicklung/Aus- und Weiterbildung betreut und verfügt über verschiedene Menüs, wie News, Termine, Downloads, Links und neueste Forenbeiträge. Von Unternehmensseite werden neben der Kunden- und der Mitarbeiterzeitung auch Unternehmensbroschüren zum Download angeboten und natürlich aktuelle Termine, die auch von den Usern ergänzt werden können. Die hätten sofort den Wunsch nach einer Fotogalerie geäußert, sagt Bickel. „Aufgrund des demografischen Wandels ist es für uns schon von Interesse zu sehen, wer in der Immobilienbranche geblieben ist“, sagt Bickel.

Denn nicht zuletzt in Zeiten des Nachwuchskräftemangels werden ehemalige Mitarbeiter wichtiger. Warum sollten sie auch nicht in Zukunft wieder zur Stammbelegschaft gehören? Studien hätten gezeigt, dass bis zu 20% der Mitarbeiter in bestimmten Branchen irgendwann wieder zu ihren vorherigen Arbeitgebern zurückkehren, sagt Jäger. Besonders ausgeprägt sei das in den Bereichen Werbung, IT, Telekommunikation und Medien. Selbst wenn sie nicht wieder im Unternehmen tätig würden, so bestünden doch gute Chancen, dass sich eine Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette entwickele, weil die Ehemaligen auf Kunden- oder Lieferantenseite tätig seien.

Diese beiden Ziele – Recruiting und Geschäftsanbahnung – verfolgt auch Jones Lang LaSalle (JLL) mit seinem Alumni-Netzwerk (http://www.joneslanglasalle.de, Menü: Kontakt) für ehemalige Mitarbeiter. 2005 wurde die Idee dafür im Unternehmen von dem Nachwuchszirkel „Junge Wilde“ (IZ 15/08) geboren. Die Branche ist überschaubar, „man läuft sich immer wieder über den Weg“, sagt Ralf Heuser, Leiter Corporate Solutions Deutschland bei Jones Lang LaSalle. Auch die JLL-Kollegen in Australien unterhielten ein solches Programm.

365 Ehemalige hatte das Unternehmen bei der Gründung angeschrieben, und 190 haben sich noch im ersten Jahr registriert; heute sind es 334. Auf der Plattform im Extranet entscheiden die Mitglieder selbst, welche ihrer Kontaktdaten sie dort darstellen möchten, einige haben ihren Lebenslauf eingestellt. Zudem werden im Extranet bestimmte Research-Produkte angeboten und Veranstaltungen angekündigt. Drei Mal im Jahr gibt es einen Newsletter, der u.a. jeweils einen Alumnus mittels eines standardisierten Fragebogens vorstellt sowie über Neuzugänge und berufliche Veränderungen der Mitglieder informiert.

Treffen auf der Expo Real

Ergänzt wurde diese Kommunikation durch ein Treffen vor der Expo Real, das in diesem Jahr bereits zum fünften Mal stattfand. 120 bis 140 Ehemalige trafen dort auf etwa halb so viele JLL-Mitarbeiter zu lockeren Gesprächen. „Der Event ist der Hauptbaustein“, sagt Heuser. Zudem würden Alumni mitunter auch zu den Sommerfesten der regionalen Büros eingeladen. Das Netzwerk sei eine absolute Erfolgsstory, auch intern, betont Heuser. Deswegen lässt JLL es sich jährlich einen mittleren fünfstelligen Betrag kosten. Genaue Zahlen gebe es nicht, aber Heuser sind ein Dutzend Fälle bekannt, bei denen Ehemalige wieder eingestellt worden seien. Auch verspricht er sich eine positive Stärkung der Marke, wenn JLL nach dem Ausscheiden im Gespräch bei den Ehemaligen bleibt.

Das ist ein Aspekt, den auch Jäger als wichtig erachtet. „Der Talentemarkt bleibt auch künftig eng.“ Wenn die Ehemaligen aber weiterhin durch die Anbindung in einem Alumni-Netzwerk über ihren vorherigen Arbeitgeber redeten, habe das positive Auswirkungen auf das Employer-Branding. Der Aufwand für den Aufbau eines Alumni-Netzwerks, insbesondere, wenn es über externe Plattformen wie Xing.com organisiert werde, sei sehr überschaubar, so Jäger. „Deswegen gehören Alumni-Netzwerke auf jeden Fall in den Fokus eines Personalmanagers.“ (sma)

Anzeige
Banner
Köpfe

Martin Brühl verlässt Union Investment Real Estate

Bei Union Investment Real Estate hat CIO Martin Brühl seinen Abschied bekannt gegeben.

Köpfe

Oliver Vellage wird CTO bei Dussmann Service

Mit einer CTO-Position erweitert Dussmann Service Deutschland die Geschäftsführung. Die Position besetzt Oliver Vellage.

Köpfe

IWP erweitert Geschäftsführung mit Christian Marschner

Als zusätzlicher Geschäftsführer wechselt Christian Marschner in Berlin von Berlinovo zu IWP Hohental Plan- und Generalbau.