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"Die Gen Z hat einen anderen Blick auf Innovationen"

Studie. Innovationen treiben die Wirtschaft und somit auch die Immobilienbranche an. Doch der Nachwuchs zeigt weniger Interesse an kreativem Arbeiten als ältere Kollegen. Führungskräfte müssen die Gen Z deshalb zu innovativem Denken auffordern. Das liest Marion Peyinghaus, Herausgeberin des PMRE Monitors 2026, aus ihrer aktuellen Marktuntersuchung ab.

Janina Stadel
11. Juni 2026
Marion Peyinghaus.
Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Janina Stadel

Immobilien Zeitung: In den vergangenen Jahren stand die Immobilienwirtschaft vor vielen Herausforderungen – bis heute. Welche äußeren Umstände bergen derzeit die größten Innovationspotenziale für die Branche?

Marion Peyinghaus: Das sind zum einen kriegerische Auseinandersetzungen. Sie haben schon in der Vergangenheit Potenziale mit sich gebracht, die sich auch auf die Zivilgesellschaft übertragen ließen. Denken Sie nur mal an den Einsatz von Drohnen, die im Bau auch für Fortschrittsbeobachtungen genutzt werden können. Daneben entwickeln sich die Geschwindigkeit und die Regulierung von KI im Moment rasant. Und nicht zuletzt sind da noch die USA. Die dortige Politik und wirtschaftliche Lage eröffnen neue Chancen für Europa als sicheren Investitionshafen.

IZ: Welche Trends leiten sich daraus für deutsche Immobilienunternehmen ab?

Peyinghaus: Die generellen Megatrends sind die Digitalisierung und KI. In Bezug auf Gebäude können sie bei richtigem Einsatz helfen, Energieverbräuche zu senken und Mieter stärker einzubeziehen. Die Themen politische Instabilität und Aufrüstung haben dazu geführt, dass in einigen Ländern der Wunsch nach zivilen Schutzräumen in Wohnquartieren, aber auch in Bürogebäuden aufkam. Dieser Trend erreicht so langsam auch Deutschland. Und natürlich spielt auch die Sicherung von Infrastruktur, also etwa Strom und Internet, eine verstärkte Rolle.

IZ: Wo in der Branche herrscht der größte Bedarf an Innovationen?

Peyinghaus: In den technischen Bereichen. Etwa im Facility-Management oder im Baumanagement. Hier sind Neusortierungen von Prozessen nötig, um eine Grundlage dafür zu schaffen, digitale Tools zu implementieren. In Bereichen wie der Buchhaltung oder bei Maklern hingegen sind viele Prozesse im Arbeitsalltag schon standardisiert, sodass man schneller in digitale Innovationen investieren und sie umsetzen kann.

IZ: Wie viel Zeit stecken Immobilienprofis aktuell in Innovationsthemen? Welche Rolle spielen sie in ihrem Arbeitsalltag?

Peyinghaus: In unserer Befragung hat sich gezeigt, dass Immobilienprofis etwa 7,6 Stunden pro Woche – also etwa einen Arbeitstag – an innovativen Aufgabenstellungen arbeiten. Gemeint sind damit etwa die Ausarbeitung neuer Strategien und Konzepte, die Arbeit an Innovationsprojekten oder das Formulieren von Verbesserungsvorschlägen.

IZ: Reicht ihnen das aus?

Peyinghaus: Die gewünschte Kreativzeit liegt bei 11,3 Stunden pro Woche, also bei fast 50% mehr. Für rund 70% der Befragten ist die Möglichkeit, kreativ zu arbeiten, sogar ein ausschlaggebender Faktor bei der Wahl eines Arbeitgebers oder bei einem Wechselvorhaben.

IZ: Und die junge Generation?

Peyinghaus: Die Gen Z schaut anders auf dieses Thema. Unsere Befragten aus dieser Altersgruppe arbeiten im Schnitt nur 3,5 Stunden pro Woche kreativ. Das liegt vor allem daran, dass sie am Beginn ihrer Karriere sind und erst einmal lernen müssen, bevor sie bereit sind, eigene Ideen zu entwickeln. Doch auch mit Blick auf die Zukunft sehen sie 5,2 Stunden pro Woche als ausreichend an. Ihnen sind im Job Struktur, Stabilität und Sicherheit wichtiger.

IZ: Wer kann die Nachwuchskräfte in Zukunft zu mehr Innovationswillen motivieren?

Peyinghaus: In erster Linie kann dies das unternehmerische Umfeld, also Kollegen und Führungskräfte, leisten. Wenn Führung zu innovativem Denken auffordert, werden junge Leute kreativ. Zudem sind es die Führungskräfte, die Entscheidungsfreiheiten erhöhen können. Flache Hierarchien führen dazu, dass Mitarbeiter durch eigene Ideen zum Fortschritt beitragen wollen. Ein weiterer Hebel ist hier aber auch der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI).

IZ: Inwiefern steigert ausgerechnet künstliche Intelligenz die Kreativität?

Peyinghaus: Insbesondere bei der Jugend ist der Einsatz von KI beliebter und häufiger. Wenn ein kreativer Prozess startet, kann sie nach möglichen Ansätzen befragt werden und Ideen aus anderen Branchen oder Kulturen als Antwort mitliefern. Das kann zu einer Horizonterweiterung führen. Auch kann die KI auf die Erfahrungen anderer zurückgreifen und früh vor möglichen Risiken eines Vorhabens oder einer bestimmten Herangehensweise warnen. Erfahrene Immobilienprofis hingegen nutzen die KI eher als Unterstützung und zur Effizienzsteigerung im Job. Bei neuen Aufgaben greifen sie eher auf die eigenen Erfahrungen aus der Vergangenheit zurück, während die Jugend die KI gezielt als Lernmittel einsetzt.

IZ: Was bedeutet das für die Zukunft von Einstiegspositionen?

Peyinghaus: Die KI verdrängt die Arbeitsplätze der Nachwuchskräfte. Doch wir müssen sichergehen, dass Nachwuchskräfte weiterhin gut ausgebildet werden, damit sie später die KI kontrollieren und steuern können. Bei ihrer Ausbildung kann KI unterstützen, etwa durch Korrekturempfehlungen oder Ergebnisvergleiche. Das entlastet nicht nur sie, sondern auch ihre Ausbilder.

IZ: Welche Gefahren gibt es für Unternehmen, wenn sie sich nicht auf Innovationen einlassen?

Peyinghaus: Wenn wir Innovationen unterlassen, verlieren wir Wert- und Effizienzsteigerung. Aus Sicht der Befragten liegt die Wertsteigerung für Gebäude bei 12% und die Effizienzsteigerung bei 21% in Immobilienunternehmen. Gleichzeitig erhoffen sie sich langfristig 25% Personaleinsparungen durch KI-Einsatz. Doch das ist nicht leicht zu erreichen.

IZ: Warum nicht? Wo liegen die Hürden und die Risiken?

Peyinghaus: Etwa die Hälfte aller Innovationsvorhaben scheitert. Dabei sind Innovationen teuer. Die Teilnehmer empfehlen, jährlich 5,9% des Umsatzes in Innovationsvorhaben zu investieren. Werden diese Zahlen rein kalkulatorisch mit dem Gesamtumsatz in der Bau- und Immobilienbranche verrechnet, entsteht daraus ein branchenweiter Verlust von jährlich 18 Mrd. Euro. Aber Innovationen, die gelingen, und nicht zuletzt auch der Lerneffekt aus gescheiterten Projekten bieten enorme Chancen. Wir sollten deshalb über mehr Fortschrittsdynamik reden – auch in der Zukunft.

IZ: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Janina Stadel.

Innovationslust auf dem Prüfstand

Für den Marktbericht „Innovationsradar: Der richtigen Spur folgen!“ hat das Competence Center Process Management Real Estate (PMRE) mit Sitz in Berlin 305 Personen aus der Immobilienbranche im deutschsprachigen Raum befragt. 193 von ihnen sind Profis mit langjähriger Berufserfahrung, 112 sind der Gen Z zuzuordnen. Bei ihnen handelte es sich zum Beispiel um Praktikanten, Werkstudenten und Berufseinsteiger. Ziel der Studie war es, das Innovationsdenken der Branche sowie die bisherige Arbeit an Innovationsprojekten in Unternehmen aus verschiedenen immobilienwirtschaftlichen Feldern in unterschiedlichen Altersgruppen und Positionen abzubilden.

Janina Stadel

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