"Die Branche braucht mehr Generalisten"
Kompetenzwende. Der richtige Weg hin zu einem besser an die Anforderungen des Umwelt- und Klimaschutzes angepassten Gebäudebestand ist umstritten. Klar scheint hingegen: Ohne die passenden Kompetenzen wird es nichts mit der Bauwende. Für die braucht es technisches Know-how, mahnen die Professoren der EBZ Business School an.

Wenn die Immobilienbranche den dringend benötigten Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und Klimaschutz umsetzen will, braucht sie dafür auch die Köpfe mit den notwendigen Kenntnissen. Die Professoren und Professorinnen der EBZ Business School bemängeln jedoch, dass es an genau diesen Köpfen in vielen Unternehmen derzeit mangele. Dies ist einer der Problempunkte, für die sie mit einer Stellungnahme zur Initiative „Praxispfad zur CO2-Reduzierung im Gebäudesektor“ sensibilisieren wollen. In der Vergangenheit habe der „starke Fokus der Förderpolitik auf die Wärmedämmung dazu geführt, dass Unternehmen nicht das gebäudetechnische Know-how aufgebaut haben, welches für den von der Initiative geforderten Paradigmenwechsel notwendig ist“, heißt es in der Stellungnahme der Universitätslehrenden zur Gründung der Initiative.
Die wurde Ende vergangenen Jahres von fünf führenden Wissenschaftlern ins Leben gerufen und denkt die möglichen Wege zur Klimaanpassung des Immobilienbestands neu. Ihr Plädoyer lautet: Nur ein Praxispfad, der die Reduzierung von Treibhausgasemissionen ins Zentrum rückt, sei finanzierbar, stelle das Erreichen von Klimaschutzzielen sicher und gewährleiste bezahlbares Wohnen. Politik und Unternehmen müssten weg vom Paradigma der Energieeffizienz (mehr dazu lesen Sie unter „CO2-Hemmung statt mehr Dämmung„).
Struktur der Branche bereitet Probleme
Die Professorinnen und Professoren der EBZ Business School „begrüßen“ den angestoßenen Dialog. „Es gibt Alternativen zur umfangreichen Wärmedämmung, die in der Vergangenheit vernachlässigt wurden“, schreiben sie. Der geforderte Paradigmenwechsel sei dringend nötig. Allerdings seien mit dessen Umsetzung auch Hürden verbunden. Eine davon ist die Frage nach dem in den Unternehmen verfügbaren Know-how. „Aktuell steht bei vielen Wohnungsbauunternehmen die Vermögensverwaltung im Vordergrund“, heißt es in der Stellungnahme. In der Folge seien die kaufmännischen Kompetenzen deutlich stärker ausgeprägt als die technischen. Der geforderte Paradigmenwechsel könne aber nur gelingen, „wenn die Unternehmen in der Lage sind, Klimaschutz als Systemoptimierung ihrer Gebäude zu steuern“. Die Schlussfolgerung in der Stellungnahme lautet: „Die Branche braucht mehr Generalisten, die sowohl über kaufmännisches als auch technisches Know-how verfügen.“
Eine weitere Herausforderungen sei die Strukturierung der Branche mit zahlreichen kleineren und mittleren Unternehmen. Die mache es schwierig, gemeinsame Anforderungen zu formulieren und „die Entwicklung spezifischer Produkte und Lösungen zu organisieren“. In der Stellungnahme wird deshalb eine stärkere Zusammenarbeit der Wohnungsbauunternehmen gefordert, um Produzenten von technischen Lösungen zu finden und „mit diesen an bezahlbaren Lösungen bei gleichzeitig hohen Stückzahlen zu arbeiten“.