Weiterbildung zum Bildungscontrolling startet
Wie viel kostet die Weiterbildung der Mitarbeiter das Unternehmen – und vor allem, wie groß ist ihr Nutzen? Personalverantwortliche kommen bei diesem Thema nicht selten in Erklärungsnot. Wie der betriebliche Bildungsprozess gestaltet werden kann, wird im ersten Zertifikatsstudiengang zum Bildungscontrolling an der Deutschen Universität für Weiterbildung (DUW) in Berlin auch anhand zahlreicher Beispiele aus der Praxis vermittelt.
Nicht zuletzt die Krise hat in vielen Betrieben zum Überprüfen – und oftmals auch Senken – des Weiterbildungsbudgets geführt. Bereits vor der Krise habe die Kostenkontrolle bei der betrieblichen Weiterbildung an Bedeutung gewonnen, sagt Prof. Dr. Bernd Käpplinger, Juniorprofessor für Lernen im Lebenslauf/Betriebliche Weiterbildung an der Humboldt-Universität zu Berlin und Leiter der neuen Weiterbildung an der DUW. Für das Bundesinstitut für berufliche Bildung (Bibb) hat er das Bildungscontrolling von Unternehmen in den Jahren 1997 und 2008 miteinander verglichen. Er kritisiert, dass oftmals die Kosten der unterschiedlichen Weiterbildungsmaßnahmen nicht fundiert analysiert werden, sondern schlicht nach großen Positionen gesucht werde. Gleichzeitig habe der Zehn-Jahres-Vergleich jedoch gezeigt, dass immer weniger Unternehmen versuchen, den Nutzen von Weiterbildungen mit „harten Instrumenten“ wie zum Beispiel einem Return on Investment zu messen.
Wie schwierig eine exakte Bestimmung der Weiterbildungsaufwendungen ist, zeigt ein Blick auf andere statistische Untersuchungen zu dem Thema. Während das Institut für Wirtschaft in Köln 2008 rund 1.000 Euro pro Mitarbeiter und Jahr ermittelte, geht das Continuing Vocational Training Survey 2005 von etwa 500 Euro pro Mitarbeiter und Jahr aus. Diese Diskrepanz rühre unter anderem daher, dass die indirekten Kosten unterschiedlich berücksichtigt werden, erläutert Käpplinger.
Bildungscontrolling umfasst aber weit mehr als nur die Kostenkontrolle. Angefangen von der Bedarfsanalyse über die Auswahl und Gestaltung der Maßnahmen bis zur Erfolgskontrolle und Bewertung reicht das Aufgabenspektrum. Für welchen Bildungsanbieter oder welche Schulungsform sollte sich das Unternehmen entscheiden? Nehme ich den Anbieter, bei dem in der Vergangenheit die Kollegen immer zufrieden waren? Hier kann Bildungscontrolling helfen, nicht nach „Schema F“ zu verfahren. „Zufrieden sein hat mit Lernerfolgen wenig zu tun“, betont Käpplinger.
Während seiner Forschungsarbeit stellte er fest, dass es zwar viele theoretische Konzepte zum Bildungscontrolling gibt, aber wenig konkrete Handlungsanweisungen. Deswegen werden die Teilnehmer der Weiterbildung auch mit zahlreichen anonymisierten Fallbeispielen arbeiten. So können sie erkennen, mit welchen innerbetrieblichen Widerständen und welchem Druck von oben die Personalverantwortlichen mitunter konfrontiert wurden. Zudem erarbeiten die Teilnehmer im Kurs Strategien für ihre eigenen aktuellen Aufgabenstellungen.
Da Bildungscontrolling in den Unternehmen sehr unterschiedlich durchgeführt werde, müssten auch individuelle Lösungen gefunden werden. Zumal die betriebliche Weiterbildung neben der reinen Qualifizierung noch viele weitere Funktionen zu erfüllen hat: So ist sie die am häufigsten angewandte Maßnahme zur Mitarbeiterbindung, wie die Umfrage zur Joboffensive 2009 unter Immobilienunternehmen zeigte.
Kritisch sieht Käpplinger den Trend zu immer kürzeren Weiterbildungseinheiten, die an die didaktischen Grenzen stießen. Die Gefahr der Geldverschwendung sieht Käpplinger vor allem in der Art der Integration in den Arbeitsalltag. So würden Weiterbildungen nicht selten in die Abendstunden ausgelagert, doch um 18 oder 19 Uhr, nach einem langen Arbeitstag, seien die psychischen und physischen Grenzen oftmals erreicht, so Käpplinger. Dann könne sich das Unternehmen die Maßnahme wohl besser sparen. „Lernen hat auch noch etwas mit Muße zu tun“, so der Pädagoge.
Ein Einstieg in das Zertifikatsprogramm ist ab Mai jederzeit möglich. Die berufsbegleitende Weiterbildung läuft über vier Monate mit zwei Präsenzphasen und kostet 3.560 Euro. Weitere Informationen zu dem Studiengang unter www.duw-berlin.de (Menü: Zertifikate – Bildungscontrolling). Die DUW ist die erste staatlich anerkannte private Weiterbildungsuniversität in Deutschland. Gesellschafter der DUW sind die Freie Universität Berlin und die Klett-Gruppe.