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Vom Konzern aufs Land als Maklerin

Karrierewechsel. Ihren sicheren Job im Konzern hat Sarah-Madeline Buschmann aufgegeben. Der Heimatliebe wegen ist sie aufs Land gezogen und arbeitet dort seit Anfang des Jahres als Maklerin. Dabei haben sich sowohl die Arbeitsbedingungen als auch die Immobilien, mit denen sie arbeitet, verändert.

Janina Stadel
26. März 2026
Seit der Gründung ihres Unternehmens Neitbauers arbeitet Sarah-Madeline Buschmann von ihrem eigenen Büro aus.
Quelle: neitbauers GmbH

Mit gerade einmal 33 Jahren hat Sarah-Madeline Buschmann der Karriere im Konzern nach acht Jahren den Rücken gekehrt und ist zurück aufs Land gezogen. Von Petershagen-Meßlingen aus, einem Ort mit rund 440 Einwohnern und gerade einmal 155 Haushalten, arbeitet sie nun in den Dörfern von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Ihre Firma hat sie nach einem alten Familienhofgut Neitbauers benannt, und sie vermittelt in der ländlichen Region Immobilien als Maklerin. „Ich habe fast zehn Jahre lang in Hannover gearbeitet, zuletzt als Projektleiterin in der Projektentwicklung bei einem lokalen Wohnungsunternehmen. Doch den Bezug zu meiner Heimat habe ich in dieser Zeit nie verloren und hatte immer das Gefühl, dass es mich irgendwann wieder zurückzieht“, begründet sie ihren Fortgang von Hanova.

Der entscheidende Moment war eine anstehende Beförderung. „Mitte letzten Jahres war der nächste Karriereschritt greifbar: Führungskraft. Das war der nächste Meilenstein, den ich erreichen wollte und der in meinen beruflichen Werdegang passte. Eigentlich. Doch es fühlte sich nicht richtig an, obwohl es sachlich und von außen betrachtet absolut stimmig war. Das war ein ganz schönes Dilemma“, sagt sie. Dass ihr eine Führungsposition angeboten wurde, sah Buschmann als Zeichen dafür, dass sie bereit sei, Verantwortung zu übernehmen, und ihr sei klar geworden: „Das, was ich kann, will ich dort einsetzen, wo ich herkomme. Nicht, weil es einfach ist, sondern weil es für mich richtig ist.“

Dafür schreckte sie nicht vor dem Risiko zurück, ein eigenes Unternehmen aufzubauen, auch wenn ihr näheres Umfeld sie vor diesem Schritt erst einmal warnte, allen voran ihre Eltern. Schließlich gab sie für ihr Vorhaben die sichere Position in dem kommunalen Wohnungsunternehmen auf und begann stattdessen ganz von vorne. „Wenn du ein Unternehmen gründest, kommt einiges auf dich zu. Welche Rechtsform ist die richtige? Wie soll die Firma heißen? Du musst einen Gesellschaftsvertrag beurkunden, eine Stammeinlage zahlen, eine Gewerbeerlaubnis beantragen. Du brauchst ein Geschäftskonto, eine Steuernummer und die Krankenversicherung muss angepasst werden. Diese Entscheidungen trifft dann niemand anders mehr für dich“, berichtet sie von den Vorbereitungen, die nötig waren, bevor sie Anfang des Jahres in ihrem eigenen Büro starten konnte.

Inzwischen fühle sie sich angekommen. „Morgens in ein eigenes Büro auf dem Dorf zu fahren anstatt in die Großstadt, das fühlt sich schon besonders an“, sagt sie. Ein kleines Team um sich herum will sie aber schon ab dem Sommer aufbauen, da ihr der persönliche und fachliche Austausch mit Kollegen fehlt.

Neue Dimensionen bei bekannten Fragestellungen

Von Kundenseite her habe sie jedoch genug zu tun, und auch die gefragte Expertise habe sich verändert. „Der ländliche Immobilienmarkt ist kein Hochglanzmaklergeschäft, sondern ein People-Business von Mensch zu Mensch.“ Denn auf dem Land sind es andere Gebäudetypen, die in ihren Fokus rücken. Wenn es darum geht, den Wert einer landwirtschaftlichen Hofstelle, einer Maschinenhalle oder einer Landgaststätte mit Kegelbahn zu ermitteln, müsse sie vor Ort sein, um sich selbst ein Bild zu machen. „In der Stadt gibt es viele Immobilientransaktionen und somit eine gute Marktdatenbasis. Die Anzahl der Verkaufsfälle in Bezug auf die ländliche Fläche ist vergleichsweise gering, daher sind wenige, vereinzelte Marktdaten verfügbar. Oft liegen gar keine Daten oder Kaufpreisauswertungen vor. Besonders hier braucht es dann Fachwissen“, sagt Buschmann.

Das liege auch daran, dass die Grundstücke und Immobilien in der Vergangenheit oft von Generation zu Generation weitervererbt statt verkauft wurden. „Die Eigentümer erwarten von mir nun eine ehrliche fachliche Beratung und Bewertung. Doch zur Wahrheit gehört in diesen Fällen auch, dass die potenzielle Zielgruppe für solche speziellen Immobilien klein ist und die Kaufbereitschaft von Investoren geringer als in Städten“, erklärt Buschmann die Herausforderungen.

Meistern könne sie diese nur durch das Wissen, das sie sich in ihrem Studium angeeignet hat, etwa zum Thema Wertermittlungsverfahren. Aber auch der persönliche Auftritt sei im neuen Job wichtiger geworden, vor allem beim Erstkontakt. „Meine Arbeit findet größtenteils bei den Menschen zu Hause oder in ihren Immobilien statt. Manche Kunden kennen mich schon, seitdem ich ein Kind war. Der persönliche Kontakt ist entscheidend – nicht zuletzt wird deshalb nun im Beruf viel Plattdeutsch gesprochen.“

Doch genau diese Arbeitsweisen schätze sie. Sie führen nämlich auch dazu, dass sie als Maklerin schnell weiterempfohlen wird. Ihre Kunden schätzen die persönliche Vertrauensbasis mehr als die Vorteile eines großen Maklerhauses. Ihre Konkurrenz sei gering. Langfristig sieht sie sich aber auch noch in einer weiteren Mission. „Profis dürfen nicht nur in der Stadt unterwegs sein. Immobilienwirtschaftliche Beratung und Expertise sind insbesondere in ländlichen Regionen gefragt“, findet sie.

Vor allem das Thema Belebung von Innenstädten sei kein rein urbanes Phänomen. „Die Fragestellungen sind hier ähnlich, nur die Dimensionen andere. Es geht aber immer darum, Orte lebenswert zu halten, Lösungen zu finden und Immobilien mit Blick auf die Zukunft zu denken. Ein Supermarkt oder auch ein Fitnessstudio können beispielsweise ein ganzes Dorf beleben, wenn sie zum Anlaufpunkt für die Bewohner werden. Gerade unsere Dörfer brauchen Menschen, die Land und Leute kennen – und Verantwortung übernehmen.“

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