Unsere besten Hochschulen
Wo sind die Studenten immobilienwirtschaftlicher Fächer am zufriedensten mit ihrem Studium? Im Rahmen der Joboffensive für die Immobilienwirtschaft befragte die Immobilien Zeitung dazu die Studenten, die in nächster Zeit ihren Abschluss erwerben.
Die Universität Regensburg geht als Sieger aus der Befragung hervor, an der sich fast 600 Studenten beteiligt haben. Auf Platz 2 folgen gleichauf die HTW Berlin und die HfWU Nürtingen-Geislingen. In den Einzelkategorien wie Studieninhalt, Praxisnähe oder Ausstattung konnten auch Hochschulen oder Akademien an Standorten wie Darmstadt, Leipzig, Mainz, Münster oder Stuttgart Spitzenplätze erreichen.
Abgewatscht haben die Studenten bei der Vergabe der Schulnoten von Eins bis Sechs keine der Bildungseinrichtungen. Ganz im Gegenteil: Der Notenspiegel im Gesamturteil rangiert zwischen Zwei plus und Zwei minus.
Im Superwahljahr durften auch die Studenten immobilienwirtschaftlicher Studiengänge, die sich in den letzten vier Semestern vor Studienabschluss befinden, ihr Votum abgeben. Mit Schulnoten von eins bis sechs sollten sie in sieben Kategorien ihre Zufriedenheit mit dem von ihnen gewählten Studium bewerten. Gefordert waren ein Gesamturteil sowie Bewertungen hinsichtlich Studieninhalt, Praxisbezug, Aufbau und Organisation des Studiums, Professoren, Ausstattung und Hochschulstandort.
Insgesamt 573 Studenten sind dem Aufruf gefolgt, der in diesem Jahr erstmals Teil der seit 2001 von der Immobilien Zeitung durchgeführten Joboffensive für die Immobilienwirtschaft war. Damit eine Bildungseinrichtung in die Schlussbewertung aufgenommen werden konnte, mussten mindestens zehn Studenten ein Votum für die Hochschule abgegeben haben. Dies war bei 15 Bildungseinrichtungen der Fall (siehe Liste rechts unten). Dieses Vorauswahlkriterium führt dazu, dass manch bekannter Name weder in dieser Liste noch im Ranking auftaucht: Es haben sich schlichtweg nicht genug Studenten dieser Hochschule an der Umfrage beteiligt.
Traumhafter Notenspiegel
Die genannten Bildungsträger können sich durchweg freuen, denn die Studenten geben ihnen Traumnoten. Über alle Fragen hinweg reicht die Durchschnittsnote von einer Eins minus bis zu einer Drei minus, und diese schlechteste Note wird nur in den Kategorien Ausstattung, Aufbau und Organisation des Studiums sowie Hochschulstandort vergeben. Auch in den einzelnen Kategorien reizten die Studenten das Notenspektrum nach unten nur selten, nach oben jedoch fast immer aus: Die rote Karte – die Note ungenügend – vergaben nur einzelne Studenten in wenigen Kategorien.
Konfrontiert mit den Ergebnissen reichen die Antworten der Professoren von Freude über die Anerkennung für ihre Arbeit bis hin zu Unverständnis („Das verstehe ich jetzt aber nicht“), wenn es um vergleichsweise schlechtere Einzelbewertungen oder den Vergleich mit den Mitbewerbern geht.
Auf Platz eins in der Gesamtbewertung liegt die Universität Regensburg (Note: 1,52), den zweiten Platz teilen sich die HTW Berlin und die HfWU Nürtingen-Geislingen (Note: 1,68). Alle drei setzen in ihren Studiengängen auf unterschiedliche Schwerpunkte – und sind damit in den Augen ihrer Studenten „best practice“ (s. Porträts S. 7) . Der Abstand innerhalb der Kategorie Studium gesamt ist gering. Die schlechteste Note, die die Studenten vergeben, ist eine zwei minus.
Wie sieht es nun in den Einzelkategorien aus? Hier wird das Führungstrio wieder getrennt. Geht es beispielsweise um die Studieninhalte, kann die Universität Regensburg abermals die Spitzenposition für sich behaupten. Doch dann folgen die TU Darmstadt sowie die ADI Akademie der Immobilienwirtschaft, jedoch nicht mehr die im Gesamtranking vorne liegenden Nürtinger und Berliner.
Die Uni Regensburg bietet einen Bachelor in VWL oder BWL an, mit einer Vertiefung in Immobilienwirtschaft. Anschließen können die Studenten einen nur auf Immobilienwirtschaft spezialisierten Master draufsetzen, erläutert Prof. Wolfgang Schäfers, Inhaber des Lehrstuhls für Immobilienmanagement. Aber auch die angehenden Immobilienökonome an der ADI Akademie für Immobilienwirtschaft finden in ihrem Studiengang die Inhalte, die sie brauchen – und befördern die ADI auf Platz drei. Das hohe Studienniveau zeige sich in der sehr hohen Erfolgsquote von 90% und mehr bei den Zugangsprüfungen zur RICS, so Prof. Hanspeter Gondring, wissenschaftlicher Leiter der ADI. Die TU Darmstadt sicherte sich den zweiten Platz.
Mit einer relativ „schlechten“ Zwei minus in der Kategorie Studieninhalte muss sich die FH Mainz mit ihrem Bachelor- und Master-Studiengang Technisches Gebäudemanagement begnügen. „Das verstehe ich nicht“, sagt Ulrich Nagel, Professor für Baubetrieb, Baumanagement und Studiengangsleiter Technisches Gebäudemanagement, überrascht. Denn er lässt alle Module jedes Semester von den Studenten evaluieren – und nimmt die Antworten ernst. Lehrbeauftragte werden dann auch schon mal ausgetauscht. „Wir machen nicht das klassische FM“, sagt er. „Wir kommen aus dem Bau.“ Vielleicht habe das jemand nicht wahrgenommen.
Unis bei Praxisbezug hinten
In der Kategorie Praxisbezug haben die teilnehmenden Universitäten wenig überraschend das Nachsehen. Ist doch ihr Ansatz eher die Methodenlehre. Ganz vorne liegt abermals die HfWU Nürtingen-Geislingen, den zweiten Platz teilen sich die Duale Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart (ehemals BA Stuttgart) und die HTW Berlin. Alle drei bekommen eine Zwei plus als Note von ihren Studenten. Warum die BA Sachsen in Leipzig hier nur eine Zwei mit nach Hause nimmt, leuchtet Prof. Kerry-U. Brauer, Studienrichtungsleiterin Immobilienwirtschaft, nicht ein. Mehr Praxisanteile als in einem dualen Studium wären nicht möglich. Die BA-Studenten sind zwischen den Theoriephasen fest in einem Unternehmen tätig.
Beim Thema Aufbau und Organisation belegt die FH Mainz den ersten Platz. „Das freut mich, denn das kann man gut beeinflussen“, sagt Nagel. Und auch die Sieger in der Gesamtwertung, die HTW Berlin und die Universität Regensburg, stehen hier wieder auf dem Treppchen. Die Immobilienwirtschaft an der HTW Berlin profitiere dabei von der gut organisierten Verwaltung an Berlins größter Fachhochschule, so Prof. Ariane Waegner, Studiengangssprecherin Immobilienwirtschaft an der HTW Berlin.
Auch mit den Professoren sind die Studenten alles in allem sehr zufrieden. Von Zwei plus bis Zwei minus reicht hier nur der Notenspiegel, das heißt, die Abstufungen sind minimal. Die HfWU kann hier den Sieg nach Hause nehmen, gefolgt von dem Gesamtsieger Uni Regensburg und der TU Darmstadt, die es damit zum zweiten Mal unter die ersten Drei geschafft hat.
Kein Pardon beim Standort
Streng benoten die Studenten jedoch beim Thema Ausstattung. Eine Drei minus gibt es für die FH Mainz. „Das liegt bestimmt am Gebäude. Der Neubau ist seit 15 Jahren geplant“, sagt Nagel. Punkten können hier der Osten und der Süden: Auf Platz eins liegt die Hochschule Mittweida, gefolgt von der BA Leipzig und der Hochschule Biberach. Noch strenger gehen die Studenten jedoch beim Hochschulstandort mit ihren Ausbildungsstätten ins Gericht. Hier wird am schärfsten benotet – und am höchsten gelobt. Wer nicht direkt in der Innenstadt platziert ist wie die Universität Leipzig (Platz eins) oder in Rhein-Nähe (FH Mainz), wird auf die hinteren Plätze verwiesen. Bereits die BA Leipzig, deren Campus etwas dezentraler liegt, erhält nur noch die Note Zwei plus. Auch mangelnde Kneipendichte und weitab von den Metropolregionen im Ländlichen gelegene Campus lassen das Herz der Studenten nicht höher schlagen. Doch beim Hochschulstandort sollte nicht nur der Freizeitwert im Vordergrund stehen, betont Nagel: „In der Region Rhein-Main sind viele FM-Unternehmen ansässig. Das sollten die Studenten bei der Wahl des Studienorts beachten.“
Warum fällt das Votum der Studenten so gut aus? Das liegt sicherlich zum einen daran, dass eher die erfolgreichen Studenten an einer freiwilligen Umfrage teilnehmen. Und weil sich die Studenten bewusst für ihr jeweiliges Fach und ihre Hochschule entschieden haben, da sie das Angebot überzeugt hatte.
Denn so vielfältig sich die Immobilienbranche mit den unterschiedlichsten Einsatzgebieten präsentiert – vom Research über das Consulting bis zum Asset- und Property-Management, dem Fondsmanagement bis hin zur Projektentwicklung – so unterschiedlich gibt sich auch die Aus- und Weiterbildungslandschaft. Die bewerteten Bildungsträger bieten eine Vielzahl von Abschlüssen an: angefangen beim Immobilienökonom über die Abschlüsse Bachelor und Master, in den beiden Ausprägungen „of Arts“ oder „of Science“, über die noch auslaufenden Diplomstudiengänge bis hin zum Master of Business Administration. Die Studiengänge können zum Teil berufsbegleitend studiert werden.
Inhaltlich unterscheiden sich die Angebote ebenfalls deutlich: Wird in dem einen Studiengang der Fokus auf eine breite wirtschaftswissenschaftliche Orientierung mit immobilienwirtschaftlicher Vertiefung gelegt, setzt der nächste auf immobilienwirtschaftliches Praxiswissen oder legt den Schwerpunkt auf technische Aspekte. Da in diesem Ranking die unterschiedlichsten Angebote miteinander konkurrieren, kann es nicht als Vergleich der Hochschulangebote gesehen werden, denn sie zielen mitunter gar nicht auf dasselbe Publikum, d.h. konkurrieren im Markt nicht direkt miteinander. Aber sie zeigen, welche Hochschule ihren Job richtig macht – und deswegen von den Studenten gelobt wird. (sma)
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Die Ergebnisse des Hochschulrankings
Bewertung Studium gesamt*
- 1. Universität Regensburg
- 2. HTW Berlin
- 2. HfWU Nürtingen-Geislingen
* Hierbei handelt es sich nicht um eine Gesamtnote, die sich aus den nachfolgenden Kategorien ergibt, sondern um eine eigenständige Einzelbewertung der Studenten.
Bewertung Studieninhalte
- 1. Universität Regensburg
- 2. TU Darmstadt
- 3. ADI Akademie der Immobilienwirtschaft
Bewertung Praxisbezug
- 1. HfWU Nürtingen-Geislingen
- 2. Duale Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart
- 2. HTW Berlin
Bewertung Aufbau und Organisation
- 1. FH Mainz
- 2. HTW Berlin
- 3. Universität Regensburg
Bewertung Professoren
- 1. HfWU Nürtingen-Geislingen
- 2. Universität Regensburg
- 3. TU Darmstadt
Bewertung Ausstattung
- 1. HS Mittweida
- 2. BA Sachsen in Leipzig
- 3. HS Biberach
Bewertung Hochschulstandort
- 1. Universität Leipzig
- 2. FH Mainz
- 3. FH Münster
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Für folgende Bildungseinrichtungen haben ausreichend Studenten Bewertungen abgegeben, sodass sie im Hochschulranking berücksichtigt werden konnten:
- ADI Akademie der Immobilienwirtschaft
- BA Sachsen in Leipzig
- Duale Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart
- FH Mainz
- FH Münster
- HAWK Standort Holzminden
- HfWU Nürtingen-Geislingen
- HS Anhalt
- HS Biberach
- HS Mittweida
- HTW Berlin
- TU Darmstadt
- Universität Leipzig
- Universität Regensburg
- Universität Stuttgart
TIPP
Der neue IZ-Karriereführer 2009/10 für die Immobilienwirtschaft erscheint Anfang September 2009. Neben der Auswertung der Studenten- und der Unternehmensumfrage mit Angaben zu Einstiegsgehältern, Anforderungs- und Qualifikationsprofilen beinhaltet er die Steckbriefe von mehr als 120 immobilienwirtschaftlichen Studiengängen in Deutschland sowie die Porträts von rund 180 Unternehmen. Dort finden Sie auch nützliche Tipps rund um das Thema Berufsein- und -aufstieg. Der IZ-Karriereführer kostet 29 Euro und kann unter www.immobilien-zeitung.de (Menü: Buchverlag) bereits vorbestellt werden.
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Die Joboffensive 2009
Das Hochschulranking ist ein Teilergebnis der Studentenumfrage zur diesjährigen Joboffensive, einer Initiative der Immobilien Zeitung. Studenten der Immobilienwirtschaft oder verwandter Studiengänge wie Bauingenieurwesen, Stadtplanung oder Facility-Management, die ihr Studium in den kommenden drei Semestern beenden werden, waren von Mitte April bis Anfang Juni aufgefordert, sich an der Umfrage zu beteiligen.
573 Studenten haben in diesem Jahr den Fragebogen ausgefüllt und neben Angaben zu ihrer Qualifikation, Praktika, Auslandserfahrung und gewünschten Einstiegsgehältern erstmals auch ihre eigene Hochschule bewertet. Alle Ergebnisse dieser und der Online-Umfrage unter Unternehmen der Immobilienwirtschaft werden im neuen IZ-Karriereführer 2009/10 der Immobilienwirtschaft vorgestellt (s. Tipp).
Die Joboffensive wird in diesem Jahr von der Aareal Bank, Aengevelt Immobilien, Bernd Heuer & Partner Human Resources, Commerz Real, Deloitte & Touche, DG Hyp, Irebs Immobilienakademie, IVG Immobilien, der Messe München, mfi und RGM Gebäudemanagement unterstützt. Unter allen teilnehmenden Studenten werden Preise im Gesamtwert von 65.000 Euro verlost.