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Swiss Life AM zieht sich ESG-Experten

Fortbildungen. Ein Weiterbildungsprogramm vermittelt Mitarbeitern von Swiss Life Asset Managers und Beos Fachwissen zu Nachhaltigkeitsthemen. Dieses teilen sie als Botschafter mit ihren Teams. Durch das zusätzliche Wissen im eigenen Haus spart sich der Konzern die langwierige Suche nach ESG-Managern.

Janina Stadel
19. Dezember 2024
Quelle: stock.adobe.com, Urheber: alfa27

Als Nelufer Ansari vor rund sechs Jahren damit begann, bei ihrem Arbeitgeber Swiss Life Asset Managers (AM) einen Nachhaltigkeitsbereich aufzubauen, wurde ihr schnell klar, „dass ein kleines Team von Experten in einer so großen und vielschichtigen Organisation nur wenig ausrichten kann“. Statt einzelne Stellen für ESG-Manager auszuschreiben und das Team so aufzustocken, kam ihr eine ganz andere Idee. Nur kurze Zeit später startete das „ESG-Ambassadoren-Programm“ des Konzerns mit dem Ziel, Mitarbeiter durch individuelle Fortbildungen und gemeinsame Themenwochen zu ESG-Experten auszubilden, denn „um die Expertise zu Nachhaltigkeit in die Organisation hineinzutragen, muss jedes Tätigkeitsfeld betroffen sein“, sagt Ansari, die im Konzern den Titel Head Strategic & Special Tasks trägt.

Wer als Teilnehmer für das Programm infrage kommt, haben die Abteilungen selbst entschieden, und zwar sowohl bei Swiss Life AM als auch beim Tochterunternehmen Beos. Ihre Methoden für die Auswahl seien unterschiedlich gewesen. Zum Teil waren Bewerbungen und Motivationsschreiben die Grundlage, zum Teil haben Führungskräfte in ihren Teams geeignete Personen direkt angesprochen. „2020 starteten wir mit 40 Leuten, die zum Teil aus dem Top-Management kamen und zum Teil aus anderen Bereichen. Jeder von ihnen hat sich 15% seiner Kapazitäten freigeschaufelt, um zum ESG-Ambassodor zu werden“, sagt Ansari.

Eine von ihnen ist Lisa Funk. Sie stieß als Projektmanagerin aus dem Fondsmanagement in das Programm. Zunächst mit dem ganz konkreten Ziel, Erkenntnisse aus Fortbildungen und Workshops zum Thema Nachhaltigkeit in ihren Alltagsarbeit einfließen zu lassen. „Ich wollte sehen, wie man den Lebenszyklus von Bestandsimmobilien verlängern kann. Vor allem für Bestandssanierungsthemen war ich offen“, beschreibt sie ihre Motivation. Weil immer mehr Fachwissen dazu kam und sie immer tiefer in das Thema einstieg, beschloss sie, laufende Projekte bei Beos nach und nach abzuschließen und schließlich die Position innerhalb des Unternehmens zu wechseln, um in Vollzeit als ESG-Managerin tätig zu werden. „Mein Ziel war es nie, eine Karriere als Führungskraft einzuschlagen, sondern eine fachliche Expertin zu werden“, kommentiert sie die Entscheidung.

Durch das Programm konnte Funk berufsbegleitend eine Weiterbildung in Sustainable Real Estate Management an der Irebs belegen und unterstützt jetzt ihre Kollegen zielgerichtet bei Fragen der Nachhaltigkeit. „Mein Schwerpunkt ist dabei geprägt durch meinen kaufmännischen Hintergrund. Ich helfe zum Beispiel bei Bestandsanalysen in Bezug auf den CO2-Ausstoß und setze somit die Hebel zu Sanierungsmaßnahmen“, berichtet sie. Aber auch bei Fragen zu Fördermitteln und Zertifizierungen ist sie erste Anlaufstelle einer ganzen Abteilung geworden. „Durch meine Vorgeschichte, also weil ich selbst zuvor operativ in der Abteilung gearbeitet habe, weiß ich, welche Punkte für meine Kollegen und auch für Investoren wichtig sind“, benennt Funk einen Vorteil, den sie darin sieht, dass sie sich die Qualifikation während ihrer Arbeit im Unternehmen angeeignet hat.

Ihre insgesamt fünf Kollegen aus dem frisch aufgebauten ESG-Team hingegen setzen ihre Schwerpunkte anders. „So ergänzen wir uns ganz gut“, sagt Funk. Und auch Ansari ist zufrieden mit dieser Aufstellung. „Man braucht zwar immer mal wieder Erfahrung von außen, um frischen Wind in eine Organisation zu bekommen, doch langfristig ist es oberstes Ziel, Expertise im Haus aufzubauen“, sagt sie. „Das ist nicht nur ressourcenschonend und führt zu zielgerichteter Expertise. Der Input der ESG-Manager lässt sich so auch schneller in das Team implementieren, denn es herrscht schon eine Vertrautheit zwischen den Mitgliedern und bestehende Projekte sind bereits bekannt.“

 

Spezialwissen für jede Abteilung

Für Kristina Gukelberger, Head of Human Resources im Konzern, ist dieses Vorgehen auch eine Form der nachhaltigen Personalpolitik. „Gemeinsame Ziele müssen über das Kollektiv erreicht werden. Durch das Programm bekommen unsere Mitarbeiter den notwendigen Rahmen dafür gestellt, können sich entwickeln und sind selbst Teil der Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit“, sagt sie. Sie möchte ihre Mitarbeiter in ihrer Leistungsfähigkeit schätzen und fördern und ist sich sicher, dadurch die Mitarbeiter auch langfristig im Unternehmen halten zu können – obwohl ausgebildete ESG-Manager mit praktischer Erfahrung gefragt sind und schnell abgeworben werden könnten. „Wir glauben ganz fest daran, dass Programme wie dieses ein Bindemittel sind. Wer im Berufsalltag sehen kann, wie sein eigener Input sich entwickelt, erkennt auch die Sinnhaftigkeit seiner Arbeit.“

 

 

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