Probelauf für den Berufseinstieg
Karrieremesse. Beim Karriereforum in Frankfurt trafen Arbeitgeber aus der Immobilienwirtschaft auf Nachwuchskräfte. Die interessierten sich nicht nur für konkrete Einstiegsmöglichkeiten, sondern auch für Erfahrungsberichte und Tipps aus dem Alltag von Branchenplayern und Personalexperten.
Ich habe noch nicht viele Erfahrungen, aber ich bin hier, weil ich welche sammeln will“, so formulierte Frank Simmeth, Trainer und Coach am Lehrinstitut und der Online-Akademie für den Mittelstand, das Mindset, mit dem die rund 270 Besucher des IZ-Karriereforums in ihre ersten Gespräche mit potenziellen zukünftigen Arbeitgebern gehen sollten. Von 34 Unternehmen der Immobilienbranche und drei Hochschulen standen bei der Karrieremesse in Frankfurt HR-Verantwortliche und Mitarbeiter aus unterschiedlichen Berufsfeldern bereit, um in persönlichen Gesprächen Einblicke in ihren Arbeitsalltag, die Unternehmenskultur und Einstiegsmöglichkeiten zu bieten.
Der erste Job wird Mangelware
Und diese Möglichkeiten sind weniger geworden. Das hat Thomas Beyerle, Professor an der Hochschule Biberach, in den vergangenen Jahren beobachtet. Knapp 100 Stellenanzeigen aus der Immobilienwirtschaft hingen bei der Karrieremesse an der Jobwall aus, viele davon ohne konkrete Tätigkeitsbeschreibung, sondern als Aufforderung zur Initiativbewerbung. So zum Beispiel vom Maklerhaus Engel & Völkers. „Eine ganze Zeit lang waren wir vor allem für Quereinsteiger interessant. Doch immer mehr Absolventen kommen direkt nach dem Studium auf uns zu“, erklärt eine Mitarbeiterin am Ausstellerstand.
Da das Maklerhaus nach selbstständigen Partnern sucht, ist es nicht für jeden Berufsanfänger geeignet. Die besondere Möglichkeit lassen sich die Nachwuchskräfte aber gerne als Alternative zu einer klassischen Festanstellung aufzeigen, auch wenn eine Tätigkeit ohne festes Monatseinkommen nicht für jeden infrage kommt. „Man muss unternehmerisch denken können, braucht Durchhaltevermögen und Selbstbewusstsein“, fasst die Engel-&-Völkers-Mitarbeiterin die wichtigsten Fähigkeiten zusammen.
Wie man diese Einstellungen in einem Bewerbungsgespräch präsentiert, erläuterte Simmeth in einem Mini-Workshop von der Bühne aus. Den festen Stand und eine lockere Handhaltung auf Höhe des Bauchnabels, die Gesten zwischen Gürtellinie und Brusthöhe zulässt, trainierte er mit den Besuchern direkt auf der Messe und verteilte anschließend Äpfel: seine Geheimwaffe gegen einen trockenen Mund vor Aufregung und zum Lockern der Kiefermuskulatur, wenn ein wichtiges Gespräch bevorsteht. „Der erste Eindruck wird nur zu 7% vom Gesprächsinhalt geprägt. So sagt es die Kommunikationsforschung. Alles andere bestimmen der Auftritt, die Stimme und das Charisma“, erklärt er, wie ein guter erster Eindruck zustande kommt.
Das galt auch umgekehrt für die Ausstellerunternehmen, die ganz ohne Aushänge für die Jobwall nach Frankfurt gekommen waren. Sie suchten den Austausch mit den Studierenden und nutzten die Messe als Plattform, um sich schon zum Karrierestart in die Köpfe der zukünftigen Immobilienprofis einzubrennen. Damit sich die HR-Verantwortlichen auch nach der eintägigen Veranstaltung noch an sie erinnern können, forderte Beyerle die Besucher auf: „Postet am besten schon morgen auf Linkedin, dass ihr hier wart. Aber mit Inhalt.“ Das bedeutet für Beyerle, über das persönliche Ziel des Besuchs zu schreiben, eine genaue Zahl zu nennen, mit wie vielen Leuten Gespräche zustande kamen, und sich mit diesen auch sofort über Verlinkungen oder Direktnachrichten zu vernetzen.
Netzwerkaufbau beginnt schon im Studium
Für Coach Simmeth bedeutet der Netzwerkaufbau an diesem Karrierepunkt aber nicht nur, den großen Unternehmen online zu folgen, sondern auch mit anderen Besuchern zusammenzukommen. „Connections von Veranstaltungen wie dieser hier können langfristig wirken. Noch könnt ihr nicht ahnen, was die Person neben euch in zehn Jahren für euch bedeuten könnte“, riet er den Nachwuchskräften mit Verweis auf seine eigenen Erfahrungen in der Berufswelt und auf Branchentreffen.
Mit diesem Rat im Hinterkopf lag der Fokus der Gespräche an den Ständen und auch in der Pause nicht auf einem Konkurrenzkampf zwischen Bewerbern, sondern auf dem Netzwerken und dem Erfahrungsaustausch mit Gleichaltrigen und denen, die schon von ihren ersten Berufsjahren berichten konnten. „Mir fällt auf, dass heute nicht nur Studenten gekommen sind, sondern auch deutlich mehr Young Professionals als in den Vorjahren“, berichtete Mareike Rathmann, die als Employer-Branding-Managerin mit der HIH-Gruppe angereist war. „Sie suchen nach einem neuen Arbeitgeber oder auch nach einer ganz anderen Aufgabe“, sagt sie. Für einen Besucher, der rund vier Stunden mit der Bahn ins Rhein-Main-Gebiet angereist war, um sicherzugehen, dass er vor Ort nicht auf einen Kollegen trifft, ging es gar nicht um eine neue Rolle. „Vor dem nächsten Karrieresprung wollte ich mir einmal ein Bild vom Markt machen. Gleiche Rollen werden zum Teil anders benannt. Das zu wissen, hilft, den eigenen Stellenwert einzuordnen und nicht zuletzt auch bei der Vorbereitung auf die nächste Gehaltsverhandlung.“
Tipps genau dazu holten sich die Besucher im Vorfeld über das Online-Angebot zur Veranstaltung ein. Die rund 130 Beratungs- und Coaching-Slots waren ausgebucht. CV-Checks durch erfahrene Personalberater standen im Vordergrund des Angebots. Zudem trainierte das Beratungsunternehmen IFP Bewerbungsgespräche, und gab Tipps dazu, wie man die eigenen Stärken und Vorkenntnisse passend zu Wunschberufen wie in der Projektentwicklung, im Portfolio-, Investment- oder Asset-Management hervorhebt. Einen letzten Feinschliff ermöglichten dann die persönlichen Gespräche mit den HR-Verantwortlichen selbst vor Ort. „Ein Praktikum haben die meisten schon im Rahmen ihres Studiums absolviert. Ich rate immer, die genauen Aufgaben, die man dort übernommen hat, im Lebenslauf zu nennen. So kommt man auf mehr wichtige Schlüsselbegriffe, die je nach Vorgehen in der HR-Abteilung ein Vorteil sein können“, riet Rathmann den Studenten.
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