Ex-Seriensieger JLL geht weiter auf Talfahrt
Imageverlust. Über ein Jahrzehnt kannte das Arbeitgeberranking der IZ nur einen Sieger: JLL. Seit der Wachablösung 2023 gab es für das Unternehmen immer weniger Punkte. Ein Grund ist wohl die Unruhe im HR-Bereich.
Elf Jahre lang behauptete JLL ohne Unterbrechung den ersten Platz im Wettkampf um den Titel Top-Arbeitgeber der Immobilienwirtschaft. Acht Jahre davon war Izabela Danner für alle Personalfragen in Deutschland verantwortlich. JLL hatte sie ab 2013 als erste Head of Human Resources eingesetzt, und während ihrer Zeit erzielte das Unternehmen besonders zwischen 2015 und 2017 im Ranking einen weiten Vorsprung vor dem Zweitplatzierten.
Nach ihrem Weggang im September 2020 ging der Staffelstab an Anita Thelen über, die Danners Aufgaben in ganz Zentraleuropa weiterführte. Ein Jahr später übernahm Patricia Offermanns diese Position. Als sie ihren Fokus auf die EMEA-Region ausweitete, rückte im März 2022 Karoline Kröger zur Head of HR Operations Central Cluster auf.
Andere Ausrichtung der HR-Abteilung
Nur kurze Zeit später, schon unter der Deutschlandführung von Konstantin Kortmann, stellte das Unternehmen die Struktur in der HR-Abteilung um. „Während in früheren Jahren HR-Verantwortliche mit dem größeren Central Europe Cluster betraut waren, hat JLL entschieden, den Fokus künftig stärker auf einzelne Länder beziehungsweise Ländercluster wie zum Beispiel die DACH-Region zu legen“, erklärt ein JLL-Sprecher.
Durch die Anpassungen wollte das Unternehmen die Abteilung zielgenauer steuern und den Anforderungen der jeweiligen Märkte in den Ländern und kleineren Regionen gerecht werden. So wurde Kröger im August 2023 zur People Partner DACH, bevor sie die Aufgaben für den deutschsprachigen Raum während einer Elternzeit interimsweise für rund zwei Jahre an Kristin Holz übergab. Zwischen 2021 und heute ergaben sich so insgesamt vier verschiedene JLL-Ansprechpartner für Personalthemen.
In der gleichen Zeit bewiesen die Wettbewerber Kontinuität. CBRE auf Platz zwei mit Mike Schrottke und BNP Paribas Real Estate, dem diesjährigen Bronzesieger, mit Stephan Domke an der Spitze ihrer HR-Teams bauten sich ein Netzwerk zu Hochschulen und Hochschulgruppen auf. Bei JLL hingegen erschwerten die Wechsel Studierenden, Lehrkräften und Nachwuchsgruppen den direkten Austausch bei Ideen zu Kooperationen oder gemeinsamen Events.
Das Interesse an einem Einstiegsjob bei JLL riss in dieser Zeit aber nicht völlig ab. „Als Arbeitgeber ist JLL für unsere Master-Studierenden mit dem Studienschwerpunkt Internationales Investment- und Asset-Management sehr interessant“, sagt Bernd Wieberneit, Professor der Hochschule Rhein-Main, der seinem Masterkurs gerne schon früh in der Ausbildung ein Netzwerk und Einblicke in Firmen ermöglicht, die über Pflichtpraktika hinausgehen.
Doch auch diese Möglichkeiten haben sich bei JLL verändert. Waren es in den Jahren vor der Corona-Pandemie noch mehr als 100 Praktika pro Jahr, die der Immobiliendienstleister und -makler besetzte, sank die Zahl 2021 auf rund 60. Ab 2023 waren es noch etwa 15 Stellen, die nach Angaben des Unternehmens jährlich mit studentischen Praktikanten und Aushilfen besetzt waren.
Infolgedessen ist auch der Anteil derer gesunken, die sich aufgrund persönlicher Erfahrungen mit JLL für eine weiterführende Stelle dort interessieren. Gaben 2023 17% derjenigen, die das Unternehmen als Top-Arbeitgeber wählten, an, bereits im persönlichen Austausch mit Mitarbeitern gestanden zu haben, waren es 2026 nur noch 10%.
Was JLL beibehielt, waren Auftritte auf Karrieremessen. Dieses Jahr stehen fünf solcher Veranstaltungen im JLL-Kalender, wie das IZ-Karriereforum, das im Juni stattfand, und die Messe Practice meets Campus im November an der Hochschule Holzminden. Die Teilnahme am Career Day der Expo Real ließ der JLL-Sprecher offen.
Leer gehen dort aber diejenigen aus, die die Augen nach einer Traineestelle offenhalten. Unter den Teilnehmern der IZ-Umfrage war das in diesem Jahr fast jeder Fünfte. JLL hat das Programm ausgesetzt und dadurch offenbar kostbare Punkte verloren und fast ausschließlich Stimmen von denen gesammelt, die sich einen Direkteinstieg in einer Junior-Position vorstellen.
Seit diesem Jahr ist People Partner Kröger zurück in der Verantwortung. Vielleicht gelingt es ihr wieder, mehr Punkte beim Branchennachwuchs zu holen.