Als Bachelor in den Job oder ins Masterstudium?
Direkt in den Beruf einsteigen oder doch lieber ein Masterstudium draufsatteln – diese Frage muss sich jeder Bachelorstudent in Deutschland stellen. Viele Studenten sind verunsichert, ob ihnen der frühe Einstieg ins Arbeitsleben nicht finanzielle und berufliche Nachteile bringt. Doch aktuelle Studien geben Entwarnung: Bei Einstieg, Gehalt und Aufstieg stehen die Bachelorabsolventen nahezu gleichauf mit den Masterabsolventen.
Seit Einführung der gestuften Bachelor- und Masterstudiengänge haben die Studenten mehr Wahlmöglichkeiten, wann sie ins Berufsleben eintreten möchten. Doch der direkte Berufseinstieg mit dem Bachelor, dem ersten berufsqualifizierenden Abschluss, ist in den Augen der Anfang 20-jährigen offenbar ein Wagnis. 55% der im Wintersemester 2009/10 in einem Bachelorstudiengang eingeschriebenen Studenten planen, noch ein Masterstudium dranzuhängen. Lediglich 17% wollen die Hochschule verlassen, und gut ein Viertel ist noch unentschieden. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Untersuchung des HIS Hochschul-Informations-Systems, für die rund 9.000 Studierende befragt wurden.
Wer sich für ein Masterstudium entscheidet, hat den Wunsch, sich weiterzubilden – einerseits. Andererseits treibt die Studenten die Sorge um, mit dem Bachelor auf dem Arbeitsmarkt keine guten Berufschancen zu haben – und bleibt deswegen lieber noch zwei Jahre länger eingeschrieben.
Die Studenten immobilienwirtschaftlicher und verwandter Studiengänge bewerten ihre Aussichten deutlich positiver, wie die Ergebnisse der diesjährigen Joboffensive, einer Initiative der Immobilien Zeitung, offenbaren: 83% der 355 Studenten im Erststudium schätzen ihre Chancen auf einen direkten Berufseinstieg als sehr gut bzw. gut ein. Von diesen 355 Umfrageteilnehmern, davon 67% Bachelorstudenten, zieht es etwas mehr als die Hälfte (56%) in die Praxis und nur 34% wollen ein Masterstudium direkt anschließen.
Bachelor sind willkommen
Doch wie sehen die Einstiegschancen für den Bachelor-Nachwuchs aus? Bachelorabsolventen haben den Einstieg in den Arbeitsmarkt gefunden, wie eine Studie des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft zur Arbeitsmarktbefähigung und -akzeptanz von Bachelorabsolventen belegt. Aktuell sind sie in 13% der mehr als 1.500 befragten Unternehmen beschäftigt. Masterabsolventen arbeiten in jedem 14. Unternehmen und Diplomanden in knapp der Hälfte. Letztere sind deshalb so häufig vertreten, weil es von ihnen bislang mehr gibt. Besonders häufig werden Bachelorabsolventen von großen Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern eingestellt. Künftig wollen 84% der Unternehmen, die Akademiker beschäftigen, sowohl Bachelorals auchMasterabsolventen unter Vertrag nehmen – 13% jedoch ausschließlich Masterabsolventen.
In der Immobilienwirtschaft sind Bachelor ebenfalls willkommen. 52% der Arbeitgeber beurteilen einen immobilienspezifischen Bachelor als wichtige oder sehr wichtige Qualifikation bei der Einstellung von Berufseinsteigern oder Young Professionals. Den Master oder das Diplom wünschen sich 54% der Unternehmen. Die Absolventen sind dementsprechend umworben: Von den 355 Studenten im Erststudium (mehrheitlich Bachelor-Studenten) hat bereits jeder Vierte ein konkretes Stellenangebot in der Tasche. Damit stehen die Bachelorstudenten den 260 Studenten im Aufbaustudium (mehrheitlich Master-Studenten) in puncto Berufschancen in fast nichts nach: In dieser Gruppe haben 35% bereits eine konkrete Stelle offeriert bekommen.
Gehaltsunterschiede gering
Ein großer Vorteil des Bachelorabschlusses ist das meist junge Alter der Berufseinsteiger. Dadurch könnten die Arbeitgeber die Neueinsteiger viel unternehmensspezifischer einsetzen, so Peter Jaksch, Personalleiter von Patrizia Immobilien. Ein Nachteil hingegen sei, dass viele Studenten keine Zeit mehr für lange Praktika hätten. „Praktika von vier bis sechs Wochen machen keinen Sinn“, sagt Michael Hübener, Personalleiter von Drees & Sommer. Auch beim Gehalt sind die Unterschiede überschaubar: Bei zwei Dritteln der Unternehmen erhalten die Bachelorabsolventen dasselbe Gehalt wie Diplomabsolventen. Bei einem Drittel ist es hingegen niedriger, so die Studie des Stifterverbands. In der Immobilienwirtschaft sind die Jahresbruttogehälter von Master- und Diplomabsolventen höher als die von Bachelorabsolventen. Allerdings beträgt die Differenz beim Jahresgehalt nur 2.600 bis 3.400 Euro. Immobilienspezifisches Spezialwissen honorieren die Immobilienunternehmen: Absolventen eines immobilienspezifischen Bachelorstudiengangs haben mehr in der Lohntüte als z.B. Bachelorabsolventen eines allgemeinen BWL-Studiums. 2010 wurde dieses Fachwissen der jungen Bachelor besonders belohnt und sie übertrumpften beim Gehalt sogar die länger ausgebildeten Absolventen eines allgemeinen Masterstudiums!
Ein Masterabschluss ist also kein Garant für ein höheres Gehalt. Allerdings auch nicht für eine Karriere, wie die Mehrheit der Unternehmen in der Studie des Stifterverbands äußerten. Nur 4% der befragten Unternehmen sehen den Masterabschluss als sehr wichtiges Auswahlkriterium bei der Besetzung von höheren Fach- und Führungspositionen an. Dennoch ist er für manche Aufgaben lieber gesehen als der Bachelor. In der Zentrale gebe es Positionen, da reiche ihr ein Bachelorabschluss nicht, sagt Angelika Westerwelle, Personalleiterin von Engel & Völkers; z.B., wenn sie Führungspersonal wie z.B. einen Teamleiter suche.
Einstiegspositionen ähnlich
Der Berufseinstieg verläuft von Bachelor- oder Masterabsolventen hingegen häufig ähnlich: Während 89% der Bachelorabsolventen für die Sachbearbeitung eingestellt werden, sind es bei den Master- bzw. Diplomabsolventen etwas weniger (71% bzw. 76%). Die Bearbeitung einer eigenständigen Projektaufgabe bekommen 87% der Bachelorabsolventen zugewiesen und 91% bzw. 93% der Master- und Diplomabsolventen. Einen Automatismus zwischen der Art des Abschlusses und der Einstiegsposition gebe es nicht, heißt es in der Studie des Stifterverbands. Weitere wichtige Einstellungskriterien sind praktische Erfahrungen, Persönlichkeit und Studienschwerpunkte. So hält es auch Peter Jaksch, Personalleiter von Patrizia Immobilien: Wenn er eine Stelle besetzen möchte, erstellt er zunächst ein Anforderungsprofil. „Der formale Abschluss ist dann nur ein Punkt unter vielen. Aufgrund der kurzen Halbwertszeit von Wissen nimmt die formale Wertigkeit eines Abschlusses gegenüber anderen Skills ab. Deswegen ist in Zeiten lebenslangen Lernens der persönliche Wille und die Lust am Lernen in Zukunft wichtiger.“