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"Zu Anfang nicht zu viel Privates erzählen"

Sommerzeit ist auch oft der Beginn der Probezeit. Nicht nur viele Hochschulabsolventen treten dann ihre erste Stelle an, auch so manch ein Berufserfahrener nutzt die Jahresmitte zum Jobwechsel. Um die ersten Wochen im neuen Team zu meistern, sollten Neueinsteiger einige Dinge beachten. Wie sie die Bewährungsprobe bestehen, erläutert Anke Quittschau, Karriereberaterin und Mit-Autorin des neuen Ratgebers „Die ersten 100 Tage im neuen Job“.

Sonja Smalian
25. Juli 2013
KarriereberaterinAnke Quittschau berät regelmäßig Immobilienunternehmen und ihre Mitarbeiter. Sie weiß, dass nicht die Wahrheit, sondern die Wahrnehmung der anderen das Image prägt. Deswegen empfiehlt sie, die eigene Außenwirkung zu prüfen.
Bild: A. Quittschau
Immobilien Zeitung: Frau Quittschau, wer eine Stelle antritt, trifft nicht nur auf neue Aufgaben, sondern auch auf eine unbekannte Organisation mit festgefügten Gruppen. Was muss ein Neuankömmling in den ersten Arbeitstagen beachten?

Anke Quittschau: Zum einen gilt immer noch der Satz, dass es für den ersten Eindruck keine zweite Chance gibt. Der neue Mitarbeiter sollte sich deswegen überlegen, wie er von der Gruppe wahrgenommen werden möchte, und seine äußere Erscheinung darauf ausrichten. Gerade in der beim Kleidungsstil eher konservativ geprägten Immobilienbranche empfehle ich in den ersten Tagen einen professionelleren Auftritt.

IZ: Was zählen Sie dazu?

Quittschau: Das beginnt mit einem professionellen Business-Outfit, zu dem auch unbedingt passende Taschen und Schuhe im Office-Stil gehören sollten, und hört bei einem gebundenen Notizbuch mit einem persönlichen Stift auf. Frauen sollten insbesondere darauf achten, dass sie nicht zu sexy oder zu niedlich angezogen sind.

IZ: Warum empfehlen Sie ein Notizbuch mit Stift?

Quittschau: Während der Einarbeitungsphase muss sich ein neuer Mitarbeiter viele Informationen, Abläufe und Namen merken. Damit das leichter fällt und er nicht mehrfach dieselben Fragen stellen muss, empfiehlt es sich, wichtige Dinge zu notieren. Das sollte er nicht mit dem teuersten Montblanc-Schreiber, aber auch nicht mit dem Werbekuli des Ex-Arbeitgebers tun. Ein neuer Mitarbeiter erzielt immer eine Außenwirkung, ob er will oder nicht.

IZ: Man kann nicht nicht kommunzieren, wie der Sprachforscher Watzlawick einst festgestellt hat.

Quittschau: Richtig. Und in den ersten Tagen wirkt der neue Kollege ganz besonders stark auf die Gruppe. Seine fachliche Kompetenz kommt erst viel später zum Tragen. Auch wenn das in den ersten Wochen vielleicht noch etwas früh ist, aber ein solches Notizbuch kann auch dafür verwendet werden, dort seine wöchentlichen Erfolgserlebnisse zu vermerken. Das wirkt zum einen positiv selbstverstärkend, wenn sich der Mitarbeiter noch einmal vor Augen führt, was er Woche für Woche geleistet hat. Zum anderen kann er daraus eine Erfolgsliste für das erste Mitarbeitergespräch erstellen.

IZ: Wenn die Außenwirkung gerade am Anfang besonders stark ist, wie viel von seiner Persönlichkeit darf der neue Kollege denn in der Vorstellungsrunde preisgeben?

Quittschau: Auf jeden Fall nicht zu viel Privates erzählen! Aber das ist durchaus der Zeitpunkt, um einige Anker zu werfen, die später den Kollegen als Anknüpfungspunkte für den Smalltalk dienen können.

IZ: Also kann er ruhig erzählen, wo er wohnt und was er vorher gemacht hat?

Quittschau: Ja. Weitere mögliche Informationen sind, wessen Nachfolge er antritt, was sein Aufgabenbereich ist. Wichtig ist auch, dass er sich mit Vor- und Zunamen vorstellt und seine direkten Kollegen auch mit einem Handschlag begrüßt.

IZ: Und wie steht es mit dem Chef?

Quittschau: Ranghöhere Beschäftigte sind diejenigen, die dem Neuankömmling die Hand zuerst hinhalten.

IZ: Schwierig ist es auch für Neueinsteiger herauszufinden, wer in der Gruppe wirklich etwas zu sagen hat. Denn nicht immer sind die Machtstrukturen mit dem Unternehmensorganigramm identisch.

Quittschau: Ja, das stimmt. Ein Trick ist zu beobachten, auf wen sich die Blicke in der Konferenz richten. Das dürfte dann der Entscheidungsträger sein.

IZ: Größter Fehler, den Neueinsteiger machen können?

Quittschau: Neueinsteiger sind hochmotiviert und sie haben die Tendenz, sich als Einzelkämpfer zu profilieren. Das kommt aber in der Gruppe meist nicht gut an. Während Menschen bereit sind, fachliche Fehler gerade in der Anfangszeit zu verzeihen, gilt das nicht für Schwächen in der sozialen Kompetenz!

IZ: Frau Quittschau, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Sonja Smalian.

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