Bei Treureal ebnet die Praxiserfahrung den Karriereweg
Mitarbeiterentwicklung. Seinen Berufseinstieg hatte Uwe Lippmann als Handwerker. Inzwischen leitet er den Facility-Anbieter Treureal Gebäudeservice (TGS) als Geschäftsführer. Seine Erfahrungen auf der Baustelle helfen ihm, mit Mitarbeitern auf Augenhöhe zu kommunizieren – und zu erkennen, wer bereit ist für einen nächsten Karriereschritt.
Für Jahresgespräche mit Bestandskunden, zum branchenweiten Fachaustausch und zur Neukundenakquise fährt Uwe Lippmann in diesem Jahr zur Expo Real. Doch als Geschäftsführer von Treureal Gebäudeservice will er nicht nur am Stand (C1.132) das Unternehmen repräsentieren, sondern hat vor allem für den Messemittwoch noch ein weiteres Ziel vor Augen: Berufseinsteiger und Jobwechsler über Karrierewege im Facility-Management aufklären. Dass diese ganz unterschiedlich verlaufen können und nicht immer zwangsläufig mit einem Studium starten müssen, zeigt seine eigene Vita.
Er begann seine Karriere 1987 als Gas- und Wasserinstallateur bei einer kommunalen Wohnungsgesellschaft. 1994 wechselte er zur heutigen Treureal Gebäudeservice, machte seinen Meister und stieg zum Fachbauleiter und Teamleiter auf, bevor er 2009 den Chefsessel einnahm. „Unsere damaligen Gesellschafter haben mir für diesen Karrierepfad den Weg geebnet“, sagt Lippmann heute und betont: „Es braucht immer jemanden, der einem eine Chance bietet. Aber auch jemanden, der sie nutzt.“
Genau dieses Zusammenspiel will er in seiner heutigen Position seinen Mitarbeitern ermöglichen. Wenn Personalgespräche anstehen, sind alle Führungskräfte angewiesen, ein Augenmerk auf Potenziale von Mitarbeitern zu legen, die sich weiterentwickeln könnten. „Wenn sich das findet, dann gibt es eine Fortbildungsvereinbarung. Das kann zum Beispiel eine Ausbildung zum Meister oder zum Fachwirt sein. Wer dafür infrage kommt, den betrauen wir gerne mit speziellen oder zusätzlichen Projekten. Das soll die Mitarbeiter fördern und ihnen zeigen, dass sie auf dem Weg auch gefordert werden.“
Denn wer sich nach der Handwerksausbildung weiterentwickeln will, brauche nicht nur die Unterstützung des Arbeitgebers, sondern auch Willen und Durchhaltevermögen. „Von der Handwerkerstube bis ins Chefbüro ist es kein Sprint. Es geht nicht darum, ein Jahr lang Gas zu geben, sondern sich langfristig in mehreren Schritten weiterzuentwickeln. Immer in einem Tempo, das nicht überfordert und Zeit lässt, um den nächsten Schritt zu gestalten“, sagt Lippmann.
Als Arbeitgeber profitiere Treureal Gebäudeservice von dieser Form der Mitarbeiterentwicklung langfristig mit Blick auf die Personalkapazitäten. „Es ist ein natürliches Mittel der Mitarbeiterbindung. Wenn jemand von Anfang an bei uns im Unternehmen ist, kennt er bereits die Kunden, Abläufe und Objekte. Kommt es einmal zu einer Vakanz, stellt das eine Chance für einen Positionswechsel dar und erspart uns ein externes Recruiting, das mit passender Einarbeitungszeit rund ein Jahr bis zur finalen Stellenbesetzung in Anspruch nimmt.“
Aber auch für die Qualität der Dienstleistungen des Unternehmens sieht der Geschäftsführer Vorteile, wenn Mitarbeiter auf strategischen Positionen zuvor schon einmal selbst auf der Baustelle aktiv waren. „Die Kerndienstleistungen eines Unternehmens aus der Praxis zu kennen, ist Gold wert“, sagt Lippmann. In seinem Alltag merke er das vor allem, wenn strategische Entscheidungen über mehrere Abteilungen hinweg kommuniziert werden. „Ich mache mir dann Gedanken darüber, wie eine Botschaft bei einem Mitarbeiter in einer anderen Position ankommt“, sagt er und nennt Änderungen von Kundenwünschen, die an Handwerker weitergegeben werden müssen, als ein Beispiel dafür.
Er habe selbst erlebt, dass die Arbeit am Objekt „eine vollkommen andere Welt“ ist als sein jetziger Job, der sich größtenteils im Büro und in Meetingräumen abspielt. „Das beginnt schon bei der Kleidung“, sagt er und nennt Arbeitszeiten als weiteren großen Unterschied. Während er Überstunden am eigenen Schreibtisch abarbeiten kann, müssten Handwerker immer mit Noteinsätzen rechnen, etwa wenn es zu einem Wasserschaden oder einem Stromausfall kommt.
Unter den rund 350 Kollegen ist der Chef nicht der einzige mit einem Werdegang, der auf der Baustelle begann. Alexander Sygor kam 2007 als Hausmeister zur TGS und wurde in diesem Sommer zum Prokuristen bestellt, eine ehemalige Büroassistenz hat inzwischen die Fuhrparkleitung übernommen und ein Azubi hat sich binnen sechs Jahren zum Objektleiter weiterentwickelt. Lippmann will mit seinem Werdegang als Vorbild vorangehen und auch seine Mitarbeiter dazu animieren, über ihre Karriere offen zu sprechen. Nicht zuletzt sieht er diesen Austausch als treibende Kraft für das Programm Mitarbeiter werben Mitarbeiter und dafür, dass Interessierte von sich aus ihre Führungskräfte auf nächstmögliche Positionen ansprechen.
Aber auch Karriere- und Azubimessen besuche das Unternehmen regelmäßig, um zu zeigen, dass sich ein Karrierestart mit einer Ausbildung lohnen kann. „Ich habe das Gefühl, ein Handwerksberuf galt lange Zeit als unschick und war gesellschaftlich nicht so angesehen wie ein Bürojob“, sagt Lippmann. Inzwischen sehe er eine Wende. „In den großen Metropolen gibt es noch immer wenige Bewerber auf Ausbildungsstellen, aber in manchen Regionen, vor allem in Mitteldeutschland, werden es wieder mehr. Das liegt zum Teil daran, dass andere Jobs, etwa in der Industrie, dort weggebrochen sind. Aber junge Leute erkennen auch, dass eine Tätigkeit im Gebäudeservice eine Zukunft hat. Dass wir einen Schwerpunkt auf Wohnimmobilien haben, gibt ihnen zudem ein sicheres Gefühl bei der Jobwahl“, berichtet Lippmann.
Die bisherigen vier Ausbildungsstellen will TGS deshalb im kommenden Jahr aufstocken, und zwar sowohl auf der gewerblichen als auch auf der kaufmännischen Seite. Denen, die direkt von der Hochschule ins Unternehmen kommen, rät Lippmann umgekehrt, so oft wie möglich auf einer Baustelle vorbeizugehen, um sich einen Eindruck von dort zu verschaffen und mit den Kollegen vor Ort eine Beziehung auf Augenhöhe aufzubauen. Er selbst merke übrigens bis heute in jedem Gespräch unter Branchenprofis, wer in der Vergangenheit selbst längere operative Erfahrungen gesammelt hat: „Sowohl im Umgang untereinander als auch im fachlichen Austausch.“