Politikexperte knüpft Kontakte für Aptum
Lobbyist. Um sich ein Netzwerk in die Wirtschaft und die Politik aufzubauen, hat der Gewerbemakler Aptum Moritz Mogwitz eingestellt. Er soll strategische Kontakte knüpfen, um dem Unternehmen frühzeitige Einblicke in Bedarfe bei kommenden Projekten zu verschaffen und um politische Debatten aus nächster Nähe verfolgen zu können.
Als Director Corporate & Political Affairs ist Moritz Mogwitz in die Immobilienwirtschaft gewechselt. Die Position hat Aptum im September geschaffen, um sein Netzwerk in Richtung der Politik strategisch auszubauen. „Ich verstehe mich in dieser Rolle als jemand, der verbindet. Und zwar das Unternehmen mit der Politik, der Gesamtwirtschaft und der Gesellschaft. Um sie über gemeinsame Themen zusammenzuführen, braucht es ein strategisches Netzwerk“, fasst Mogwitz seine Aufgabe zusammen. Seine Kontakte sollen über klassische Maklerbekanntschaften hinausgehen und neue Perspektiven auf Immobilien, Nutzer und Märkte eröffnen.
Dafür bringt er vor allem eins mit: sein Adressbuch aus früheren Tätigkeiten. Seinen Karrierestart hatte der heute 35-Jährige nach einem Studium der Wirtschaftswissenschaften in Kopenhagen als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Berliner Bundestag. „Dort habe ich Sitzungen für den Wirtschafts- und Umweltausschuss vorbereitet und Unternehmensvertreter und Lobbyisten kennengelernt“, berichtet er.
Zuletzt arbeitete Mogwitz in seiner Heimatregion als Leiter der Geschäftsstelle der Allgemeinen Arbeitgebervereinigung (AGV) Hannover. Weil Aptum dort Mitglied ist, kam der erste Kontakt zum Unternehmensgründer Dominik Talhof zustande. Auf mehreren Veranstaltungen tauschten sie sich aus.
Gemeinsam entwickelten sie die Idee für die neue Stelle. „Bei Aptum werde ich ähnlich vorgehen wie in meiner Rolle beim Arbeitgeberverband“, sagt Mogwitz. Er wolle „vom Kunden aus denken“ und in seinem Netzwerk aus mehr als 1.500 Unternehmensvertretern nach Anknüpfungspunkten für gemeinsame Projekte suchen. Aber auch auf Politiker aller Parteien wolle er direkt zugehen. Diese kennt er aus seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Vorsitzender des Landesfachausschusses Wirtschaft, Verkehr, Bauen und Digitalisierung der FDP Niedersachsen. „Denken wir nur an Unternehmensansiedlungen. Wenn wir von solchen Plänen früh erfahren, können wir Bedarfe erkennen und passende Immobilien bereithalten“, sagt Mogwitz. Dabei denkt er an große Konzerne mit Bedarf an Büro-, Produktions- oder Lagerflächen, aber auch an das Thema Rüstung.
Der Schritt zum strategischen Netzwerk sei auch der Brisanz der Zeit geschuldet, sagt Talhof. Seit der Unternehmensgründung Anfang 2021 habe sich der Markt gedreht und neue Herausforderungen für die inzwischen 40 Mitarbeiter gebracht. „In den letzten 24 Monaten haben wir gesehen, dass der Markt sich noch schneller verändert als schon in den Jahren zuvor“, sagt Talhof. „Gerade in der Bürovermietung und im Investment muss man neue Wege gehen“, erklärt er aus Maklersicht. Dazu gehöre es, „wegzugehen vom Gedanken der Nachvermietung nach Assetklassen und hin zu Nutzungsarten.“
Über ein breites Netzwerk will Aptum politische Debatten und Entscheidungen künftig stärker im Blick behalten. Die Verbindungen sollen bewusst über die Immobilienbranche hinausgehen. „Die Beschäftigung mit Branchenclustern zeigt uns, welche Unternehmen in Zukunft neue Bedarfe, auch an Immobilien, haben. Dieses Wissen muss in die Immobilienwirtschaft getragen werden“, sagt Talhof. Das merke er bei aktuellen Projekten immer wieder. Als Beispiel nennt er die Umnutzung eines ehemaligen Kaufhof-Gebäudes in der Innenstadt von Hannover. Dort hat Aptum auf drei Etagen 18.000 qm an die Region Hannover vermittelt. Statt eines Kaufhauses beherbergt das Gebäude nun unter dem Namen The Box die Berufsschule BBS Cora Berliner. „Bei solchen Umnutzungsprojekten treffen unterschiedliche Akteure mit verschiedenen Interessen aufeinander. Mit einem breiten Netzwerk können wir diese besser verstehen und gezielte Lösungen anbieten“, sagt Talhof.
Nicht zuletzt gehöre bei dieser Herangehensweise dazu, einen gesamtgesellschaftlichen Kontext mitzudenken. „Eine Schule stellt nicht nur andere Ansprüche an eine Fläche als ein Kaufhaus, es geht auch um das Umfeld. Wenn hunderte Schüler täglich zum Unterricht kommen, verändert sich etwa die Laufkundschaft für die umliegenden Geschäfte“, führt er aus.
Bewährte Strategie im neuen Job
Für seinen Netzwerkaufbau will Mogwitz bundesweit tätig werden. Manche Vertreter aus der Immobilienbranche kenne er bereits durch seinen früheren Job. Bei der Real Estate Arena im Juni stand er mit einigen von ihnen sogar schon als Moderator einer politischen Diskussion auf der Messe-Bühne.
„Dennoch ist mir klar, dass es im Onboarding in den kommenden Monaten für mich vor allem darum gehen wird, die Immobilienwirtschaft noch besser kennenzulernen und sie richtig zu durchdringen.“ Um sich einen tiefen Einblick in die Branche und ihre Akteure zu verschaffen, geht es für ihn in diesem Jahr zum ersten Mal zur Expo Real.
Aber auch danach plant Mogwitz mehrere Reisen, um mit Branchenakteuren aus ganz Deutschland persönlich in den Austausch zu kommen. Darauf, die politische mit der immobilienwirtschaftlichen Brille zu verbinden, freue er sich. „Ich finde die Branche per se erst mal spannend, weil volkswirtschaftlich so viel bewegt wird“, sagt er.