KI mischt bei der Jobrecherche mit
Arbeitgebersuche. Statt sich durch Linklisten aus Suchmaschinenanfragen zu klicken, vertrauen Bewerber auf Empfehlungen von KI-Tools. Ihre Antworten bestehen nur zu einem Bruchteil aus unternehmenseigenen Quellen.
Fast 30% aller Jobsuchenden nutzen ein KI-Tool, um sich vor dem Absenden einer Bewerbung über einen Arbeitgeber zu informieren. Weitere knapp 45% können sich vorstellen, dies künftig zu tun. Das zeigt eine Studie im Auftrag der Marktforschungsgruppe Bilendi. Für die wurden mehr als 2.000 Bewerber befragt, deren letzte Jobsuche höchstens zwölf Monate zurücklag.
„Viele Jahre lang war eine Stichwortsuche bei Google ein gängiges Vorgehen bei der Jobsuche. Die Bewerber haben sich durch eine Liste von Ergebnissen geklickt. Die obersten Treffer waren meistens direkte Stellenanzeigen der Unternehmen, die sie dann unter ihren persönlichen Gesichtspunkten miteinander vergleichen konnten“, sagt Sascha Theisen, Inhaber der Beratungsagentur Employer Telling.
Die Google-Anfragen im Rahmen der Jobsuche seien innerhalb von zwei Jahren um rund 30% zurückgegangen. Stattdessen nutzen Bewerber KI-Tools wie ChatGPT, Claude, Gemini oder Perplexity, um sich über passende Arbeitgeber zu informieren. „Eine Quellenanalyse von KI-Anfragen zu potenziellen Arbeitgebern hat uns zuletzt gezeigt, dass die Antworten und bereits getroffenen Vorauswertungen nur zu rund 33% aus Informationen von Unternehmensmedien wie deren eigenen Webauftritt oder ihrer Karriereseite bestehen. Der Großteil der KI-Antworten basiert auf Bewertungen aus Plattformen, Foren oder anderen Medienberichten“, sagt Theisen.
Zudem führe die KI-Nutzung dazu, dass die Bewerber nicht nur nach möglichen passenden Unternehmen suchen, sondern auch gezielt abfragen, welche Unternehmen für sie nicht infrage kommen. Die Empfehlungen und Gewichtungen der KI-Tools können von Tool zu Tool und auch abhängig vom Abfragezeitpunkt unterschiedlich ausfallen. Bei Testanfragen stellten Theisen und seine Kollegen fest, dass sich Ergebnisse bereits innerhalb einer Woche verändern können. Dennoch vertrauen die Nutzer auf die Empfehlungen: 42% der Teilnehmer der Bilendi- Studie halten sie für glaubwürdiger als ihre eigene, über Suchmaschinen gesteuerte Recherche. Nur 15% wollen sich nicht auf Wahrheitsgehalt oder Passgenauigkeit verlassen und rechnen mit Fehlern oder Halluzinationen der Tools.