Sylva Viebach ist nicht mehr Chefin von Wohnraum Niedersachsen
Sylva Viebach ist seit dieser Woche nicht mehr Geschäftsführerin der Landeswohnungsgesellschaft Wohnraum Niedersachsen. Anders als vom Wirtschaftsministerium erklärt, soll die Trennung nicht einvernehmlich erfolgt sein.
Beim Verbandstag des Verbands der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Niedersachsen und Bremen (VdW) am Dienstag und Mittwoch dieser Woche war Sylva Viebach nicht dabei. „Es gibt ja keine Anwesenheitspflicht“, erklärte VdW-Sprecher Carsten Ens gegenüber der Immobilien Zeitung (IZ).
Was Ens und wohl fast alle anderen Gäste der Veranstaltung nicht wussten: Sylva Viebach ist seit Montag nicht mehr Geschäftsführerin der Landeswohnungsgesellschaft Wohnraum Niedersachsen. Allein der anwesende Niedersächsische Wirtschafts- und Bauminister Grant Hendrik Tonne (SPD) sollte im Bild gewesen sein.
Staatssekretär soll gegen Verlängerung des Dreijahresvertrags mit Viebach votiert haben
Christian Wilhelm Link, Chefredakteur Wirtschaft beim Rundblick Niedersachsen, jedoch ging der Abwesenheit Viebachs nach und erfuhr von dem kurzfristig am Montag, 31. August, erfolgten Ausscheiden als Geschäftsführerin. Viebach selbst wollte sich gegenüber der IZ nicht äußern: „Kein Kommentar.“
Doch Recherchen der IZ scheinen zu bestätigen, was der Rundblick bereits als mögliche Ursache identifiziert hatte: Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Wunderling-Weilbier (SPD) hatte wohl gegen die Verlängerung des laufenden Dreijahresvertrags votiert. Wobei noch nicht transparent ist, warum der Staatssekretär Viebach nicht mehr wollte.
Auf eine IZ-Anfrage hat das Wirtschaftsministerium bis zur Veröffentlichung dieses Artikels noch nicht geantwortet. Gegenüber dem Rundblick wurde Wunderling-Weilbier wie folgt zitiert: „Nachdem die erste Phase zum Aufbau der landeseigenen Wohnungsgesellschaft Wohnraum Niedersachsen erfolgreich abgeschlossen ist, haben sich der Gesellschafter und die bisherige Geschäftsführerin Sylva Viebach im gegenseitigen Einvernehmen darauf verständigt, den auslaufenden Geschäftsführungsvertrag nicht zu verlängern.“ Nach IZ-Kenntnis lief der Dreijahresvertrag allerdings bis zum 30. April 2027.
Zunehmend respektiert in der Wohnungswirtschaft
Die Bauingenieurin war vor der Privatisierung bei der LEG NRW tätig, in der Folge bei MFI, Bouwfonds Asset Management und BIG Städtebau/DSK. Ab 2014 war Viebach Geschäftsführerin der Immobiliengesellschaft der Klosterkammer, bevor sie zum 1. Mai 2024 die Geschäftsführung der Wohnraum Niedersachsen übernahm. Sie interpretierte ihre Aufgabe, in übersichtlicher Zeit einen Bestand an bezahlbarem Wohnraum für die Ende 2023 gegründete Wohnraum Niedersachsen aufzubauen, klar unternehmerisch.
Die geplante Gründung der Landeswohnungsgesellschaft war in Zeiten des Immobilienbooms in der Wohnungswirtschaft auf große Skepsis gestoßen: noch ein Wettbewerber um knappes Personal, Grundstücke und Mittel des Landes. Doch die Perspektive drehte sich in der Immobilienkrise ab 2022. Wohnraum Niedersachsen erwarb im Forward-Deal stockende Wohnungsprojekte.
„Das Angebot der landeseigenen Wohnraum Niedersachsen GmbH, Projekte mit geförderten Wohnungen bereits vor Baubeginn zu erwerben, ist gerade in Zeiten zurückhaltender Endinvestoren und herausfordernder Finanzierungen eine echte Hilfestellung für die Unternehmen“, erklärte Ende August Richard Siebrecht, Geschäftsführer der hannoverschen Wallbrecht-Gruppe, die der Landeswohnungsgesellschaft im Joint Venture mit Kathmann Projekte aus Bremen 117 Wohnungen in Leer verkaufte. „Die Partnerschaft mit der Wohnraum Niedersachsen erleichtert es uns – und sicher auch anderen –, mehr attraktiven und bedarfsgerechten Wohnraum für zukünftige Generationen zu schaffen.“
„Mein persönliches Ziel ist, bis zur Landtagswahl im Herbst nächsten Jahres 1.000 Wohnungen im Bau zu haben“, hatte Viebach im Interview mit der IZ im Juli erklärt. Das anfängliche Eigenkapital von 100 Mio. Euro war 2025 um weitere 200 Mio. Euro aufgestockt worden. Über 700 Wohnungen hat Wohnraum Niedersachsen bis dato erworben und für weitere laufen Verhandlungen – die jedoch warten müssen. Mitte September soll eine Interimslösung für die Geschäftsführung vorgestellt werden. Warum derzeit die Website der Wohnraum Niedersachsen nicht erreichbar ist, harrt auch noch einer Antwort.