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Sichtbarkeit entsteht in kleinen Schritten

Karriereentwicklung. Wer seine Visionen verwirklichen will, muss beweisen, dass er für eine Sache brennt. Wer im eigenen Unternehmen auffällt, legt damit den Grundstein für Auftritte vor einem großen Fachpublikum und für den nächsten Karriereschritt.

Janina Stadel
15. Mai 2026
Auftritte vor Fachpublikum und Auszeichnungen können helfen, in der Branche wahrgenommen zu werden.
Quelle: stock.adobe.com, Urheber: Alwie99d

Talent braucht Sichtbarkeit, und Ideen brauchen eine Bühne“, das hat Markus Weigold im Laufe seiner Karriere immer wieder festgestellt. Als er 2008 bei Drees & Sommer an den Standort Berlin wechselte, war er bereits Mitglied der Geschäftsleitung, mit Anfang 30 aber gleichzeitig einer der jüngsten Mitarbeiter im Hauptstadtbüro des Unternehmens. „Ich hatte viele Ideen und wenig Erfahrung, aber Menschen um mich herum, die mit mir meinen Weg gegangen sind“, sagt er.

Ein schneller Aufstieg in jungen Jahren ist in der Branche inzwischen schwieriger geworden. Schon für den Einstieg in ein Unternehmen müssen sich Nachwuchskräfte beweisen. Fachliche Expertise setzen Arbeitgeber voraus. Wer sich von anderen Bewerbern absetzen will, muss aus der Masse hervorstechen und mehr als nur ein gutes Ausbildungszeugnis mitbringen. „Es geht nicht um perfekte Lebensläufe, sondern darum, schneller zu denken als große Konzerne“, fasst Weigold die Anforderungen an die Next Gen zusammen.

„Bei zwei vergleichbaren Profilen gibt das Engagement im Zweifel den Ausschlag“, bestätigt die Headhunterin und Mitgründerin der Personalberatung Alevate, Stefanie Sass. Doch eben diese Einstellung müssen Nachwuchskräfte im Berufsalltag auch richtig positionieren. „Sichtbarkeit ist die Brücke zwischen Können und Chancen. Wer fachlich stark ist, aber niemand weiß davon, kommt für die spannenden Rollen nicht auf den Zettel“, sagt Sass.

Titel aus Branchenwettbewerben, erfolgreiche Präsentationen auf der Bühne vor Fachpublikum und Mitgliedschaften in Netzwerken wecken laut Sass das Interesse von potenziellen Arbeitgebern. Und zwar sowohl wenn sie im Publikum sitzen als auch beim Lesen von Bewerbungsschreiben, wenn die Themen passen.

Engagement ist ein Indikator für künftige Leistungen

Gerade bei bekannten Gruppen und Verbänden werden Interessen schnell klar dargestellt. Ein Pluspunkt ist, wenn der Enthusiasmus nicht nach dem Ausfüllen des Mitgliedsantrags erlischt. „Engagement ist außerdem ein guter Indikator für Eigenverantwortung, Netzwerkkompetenz und den Wille, etwas zu gestalten“, erklärt Sass, wie Personalentscheider Netzwerkaktivitäten interpretieren. Zudem biete das Verbandsleben an sich viele Möglichkeiten, sich in Bühnenpräsenz zu üben. „Dort kann man eine kurze Eröffnung halten, ein eigenes Format aufsetzen, eine Diskussion moderieren – um Sichtbarkeit auszuprobieren und mit überschaubarem Risiko. Das Publikum ist wohlwollend, man kennt sich. Und man kann Schritt für Schritt wachsen.“

 

Tatsächlich nimmt die Nachfrage nach solchen Aufgaben in den Nachwuchsgruppen vieler Netzwerke zu, ebenso wie gleichzeitig auch das Interesse beim Publikum an den Perspektiven der Next Gen. Doch Sabine Georgi, Executive Director vom Urban Land Institute (ULI), warnt: „Bei Veranstaltungen, zum Beispiel bei Panels, darf es nicht darum gehen, ausgewählt zu werden, nur weil man jung ist.“ Stattdessen gelte: Wer auf der Bühne spricht, muss fachlich mit seinem Thema überzeugen können – auch und gerade, wenn es einmal Gegenwind gibt.

Das Selbstbewusstsein, das es dafür braucht, so Georgis Tipp, sollen sich Nachwuchskräfte erst einmal in vertrautem Umfeld aufbauen. Das funktioniere zum Beispiel im Rahmen eines Mentoringprogramms. Aber auch im Alltag unter den Kollegen lohne sich der regelmäßige Austausch, um die eigene Expertise zu platzieren.

„Vom Homeoffice aus geht das nicht“, weiß Maximilian Wimmer. Er ist Karrierecoach und begleitet seit rund sechs Jahren schwerpunktmäßig Berufseinsteiger und Young Professionals bei Bewerbungen und ihrer persönlichen Karriereentwicklung. Ihn wundert es nicht, dass viele Arbeitgeber die Möglichkeiten für Homeoffice immer weiter einschränken und auf wenige Tage pro Woche reduzieren. Denn durch die Anwesenheit ihrer Mitarbeiter im Büro wollen sie diese besser kennenlernen und ein Gespür für ihre individuellen Stärken bekommen.

Das sollten sich gerade junge Talente zunutze machen. „Im Büro kann man Kontakte über Hierarchieebenen hinweg schließen“, sagt Wimmer. Als klassisches Beispiel nennt er Pausengespräche an der Kaffeemaschine. Dort komme man leicht mit Kollegen aus höheren Positionen oder anderen Abteilungen in Kontakt.

Erste Kontakte knüpft man unter Kollegen im Büro

Der Karrierecoach rät, in diesen Situationen Fragen zum Joballtag der anderen und den aktuellen Projekten zu stellen. Auf diese Weise komme das Interesse am Aufstieg intern zutage. „Und man wird im eigenen Unternehmen nicht als Konkurrenz, sondern frühzeitig als potenzieller Nachfolger für eine Stelle angesehen“, sagt Wimmer.

 

Gleiches gelte für die Teilnahme an Teamevents, egal ob es um die große jährliche Weihnachtsfeier oder ein spontanes Feierabendbier geht. „Es ist immer gut, Präsenz zu zeigen, solange ich mich auch nach Dienstschluss professionell verhalte“, fasst Wimmer zusammen. Denn wer nach einem abendlichen Austausch bei Vorgesetzten im Gedächtnis bleibt, hat gute Chancen darauf, dass das Gespräch später in offiziellem Rahmen weitergeführt wird. Für Young Professionals bedeutet das die Aussicht, sich in neue Projekte einbringen zu können. Auch fallen die Hemmungen, einen Kollegen oder Vorgesetzten um ein Empfehlungsschreiben zu bitten, wenn ein solches für eine Bewerbung um einen Award nötig ist. „Vor allem aber wird Vertrauen aufgebaut. Das ist die Grundvoraussetzung, wenn man ein Unternehmen öffentlich bei einem Auftritt oder Fachaustausch repräsentieren will.“

Nicht jedes Thema gehört in die Öffentlichkeit

Denn nicht alles, was auf dem eigenen Schreibtisch liegt, sollten Wettbewerber aus erster Hand erfahren. Das gilt auch für Postings, die von persönlichen Social-Media-Accounts abgesetzt werden. Um diese Grenze nicht zu überschreiten, gibt Wimmer eine Faustregel mit auf den Weg: „Plattformen wie Linkedin bieten eine gute Gelegenheit, eigene Projekte zu platzieren, die nicht in direktem Zusammenhang mit aktuellen Jobaufgaben stehen. Sie zeigen dann die wahren persönlichen Motivationen auf und können von Personalern oder Vorgesetzten durchaus als Interesse an einem nächsten Karriereschritt oder Neugier auf ein zusätzliches Aufgabenfeld gedeutet werden. Auf jeden Fall aber zeigen sie, dass man als Experte zu einem bestimmten Thema etwas zu sagen hat und sich damit auch über den eigentlichen Arbeitsalltag hinaus beschäftigt.“

30 Talente erweitern das MATs-Netzwerk
Auszeichnung. Eine Jury hat 30 Nachwuchskräfte ausgewählt, die Teil des Netzwerks der Most Aspiring Talents der Immobilienwirtschaft (MATs) werden. Nach der Preisverleihung in Berlin kommt auf sie die eigentliche Arbeit zu. Damit diese auch mit gestiegener Teilnehmerzahl effektiv und beständig bleibt, haben die Initiatoren die Mitgliedschaften nach sechs Jahren Vereinsbestehen umstrukturiert.

 

Eine, die ihre Ideen seit Jahren in Onlinebeiträgen und bei Veranstaltungen vorstellt, ist Sarah Aldag. Die Senior Key Account Managerin hat schon früh in ihrer Karriere an Panels großer Branchenveranstaltungen teilgenommen und repräsentiert dort und in Webinaren auch ihr Arbeitgeberunternehmen, das Proptech Syte. Dabei hat sie gemerkt: „Die Chancen auf einen Bühnenplatz erhöhen sich mit der Zeit – und mit dem außerberuflichen Lebenslauf.“

2025 stand Aldag als Gewinnerin des Freti-Awards auf der Bühne, im gleichen Jahr wurde sie in die Most Aspiring Talents der Immobilienwirtschaft (MATs) aufgenommen. Sie sieht die Auszeichnungen als Türöffner, „und zwar nicht nur zu Entscheidern, sondern auch zu Veranstaltern“. Seit der Auszeichnung werde sie häufiger mit direktem Bezug auf ihre Titel für Veranstaltungen angefragt. Im Rahmen des MAT-Netzwerks selbst stand sie im vergangenen Sommer bei der Real Estate Arena in einer Diskussionsrunde zum Thema Städte der Zukunft auf der Bühne, aber auch andere Einladungen, wie etwa zu einer exklusiven Gesprächsrunde mit 15 Top-Managern aus der Wohnungswirtschaft, führt sie auf ihr MAT-Dasein zurück, ebenso ihre Ernennung zur Mipim-Challengerin kurz nach ihrem Eintritt in das Netzwerk. „Eine solche Auszeichnung oder Mitgliedschaft gilt einfach als Qualitätssiegel und hilft dabei, den nächsten Schritt zu gehen“, so ihre Erklärung.

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