Neuer Studiengang holt das Handwerk an die Uni
Ausbildung. Weil Bestandsimmobilien bei Sanierungen Wissen über traditionelle Handwerkstechniken erfordern, sollen diese an der Hochschule Coburg und der Universität Bamberg wieder Einzug in die Lehre erhalten. Ein neuer Studiengang qualifiziert deshalb sowohl theoretisch als auch praktisch zum Umgang mit alter Bausubstanz.
Nicht nur akademisch, sondern auch handwerklich will ein neues Programm Nachwuchskräfte ausbilden. „Das Spektakuläre an dem Studiengang ist, dass er sowohl die Gesellenausbildung in einem erhaltungsnahen Gewerk im Handwerk als auch einen Bachelorabschluss ermöglicht“, fasst Benedikt Buchmüller das Konzept des Bachelorstudiengangs Bauerhalt und traditionelle Werktechniken zusammen. Er besetzt seit zwei Semestern eine Professur an der Hochschule Coburg und begleitet seitdem die Planungen für die Ausbildung, in deren Zuge er ab dem geplanten Start im Wintersemester 2026 auch lehren wird.
Die Idee, klassisches Handwerk in die Lehre zu holen, sei schon viele Jahre früher an der Hochschule gewachsen. Doch der Aufbau des Studienprogramms sei kompliziert gewesen, da neben der Hochschule Coburg auch die Universität Bamberg miteinbezogen ist und, um eine Gesellenprüfung zu ermöglichen, außerdem noch die Handwerkskammer Oberfranken. Inzwischen prüfen letzte Gremien die Planungen, sodass Interessierte sich voraussichtlich ab dem Frühjahr anmelden können. Voraussetzung dafür ist jedoch neben einer allgemeinen Hochschulreife auch ein Ausbildungsbetrieb, da die Studenten im Wechsel an den Hochschulen und in den Betrieben ausgebildet werden. Im sechsten Semester sollen sie die Gesellenprüfung ablegen, im siebten folgt der Bachelorabschluss. Zudem sei auch eine Vollzeitvariante des Studiengangs in Planung, die sich an Handwerker richtet, die bereits einen Gesellenbrief haben.
„Wir sehen die Zukunft im Traditionellen“
„Handwerksbetriebe zeigen sich deshalb offen für die Inhalte des Studiengangs, das weiß ich von vielen Gesprächen mit ihnen zum Austausch“, sagt Buchmüller. Denn obwohl sich viele Betriebe genauso wie die bisherigen Ausbildungen und Studiengänge auf das Thema Neubau konzentrieren, werden viele Handwerker in ihrem Arbeitsalltag immer wieder mit Aufträgen konfrontiert, die sie in ältere Gebäude führen. „Wir haben genügend Bestandsimmobilien, seien es denkmalgeschützte oder Gebäude aus der Nachkriegszeit. Sie alle wurden von Handwerkern gebaut. Um adäquat auf sie eingehen zu können, brauchen wir Wissen über ihre Methoden“, sagt Buchmüller und betont mit Blick auf die Welle von Sanierungen, die in den kommenden Jahren auf die Branche zukommen wird: „Wir sehen die Zukunft im Traditionellen.“
Unter traditionellen Werktechniken versteht er vor allem den Umgang mit natürlichen Baumaterialien, die in den vergangenen Jahrzehnten im Neubau an Bedeutung verloren haben. „Bautechniken haben sich in den letzten 60 bis 70 Jahren fundamental gewandelt. Mit der Bauindustrie haben sich auch verwendete Baustoffe verändert. Natürliche Materialien wie Holz, Kalk oder Lehm wurden immer weniger verbaut. Damit ging auch der Umgang mit ihnen verloren.“ Dabei gewinne gerade der Lehmbau auch aktuell wieder zunehmend an Bedeutung in der Baubranche. „In einem Reallabor an der Hochschule Coburg erproben schon Architekturstudenten Techniken damit und haben zu Übungszwecken bereits eine Stampflehmkonstruktion gebaut, die jetzt als Bar genutzt wird“, nennt Buchmüller ein konkretes Beispiel.
Weitere Inhalte sollen in Zukunft von Professoren und Professorinnen beider Hochschulen vermittelt werden, aber auch von Lehrmeistern der Handwerkskammer aus verschiedenen Gewerken wie Zimmerern, Schreinern, Maurern, Malern und Kirchenmalern. „Unser Plan ist es, mit dem Studiengang für unterschiedliche Felder und Berufe zu qualifizieren. Auf der einen Seite wollen wir dem Fachkräftemangel im Handwerk entgegenwirken, doch auch auf spätere Betriebsübernahmen, für planerische Tätigkeiten und als Vermittler zwischen Handwerkern und Planenden sollen unsere Studierenden ausgebildet werden. Nicht zuletzt kann man auf einen Bachelor immer noch ein Masterstudium draufsetzen und auf die Gesellenausbildung die Meisterprüfung“, so Buchmüller.
Zudem soll der Studiengang Abiturienten ansprechen, die sich kurz nach der Schulausbildung noch nicht sicher sind, ob sie eine akademische oder handwerkliche Ausbildung anstreben. „Wir ermöglichen Einblicke in beide Welten. Nicht selten erlebe ich es, dass Architekturstudenten am Ende ihres Studiums auch den Wunsch verspüren, praktische Erfahrungen in einer Handwerkslehre zu sammeln“, sagt Buchmüller, der selbst vor seiner Architektenausbildung eine Prüfung zum Meister im Zimmerhandwerk abgeschlossen hat und zudem staatlich geprüfter Hochbautechniker ist.
Auf der Seite der Hochschule sieht Buchmüller den klaren Gewinn des neuen Programms darin, dass Techniken aus dem Erfahrungsschatz von Handwerkern nicht nur weitergegeben, sondern auch gesammelt werden können. Sie wiederum sollen davon profitieren, dass mehr Nachwuchskräfte auch eine praktische Ausbildung ablegen. Das soll langfristig auf den Fachkräftemangel einwirken, denn laut Handwerkskammer müssen allein im Laufe des Jahres 2026 rund 125.000 Ausbildungsstellen im Handwerk deutschlandweit besetzt werden.
Aktuelle Top-Jobs
Leitung des Betriebsbereiches „Münster“ des Bundesforstbetriebes Rhein-Weser (w/m/d)
Bürosachbearbeiterinnen / Bürosachbearbeiter (m/w/d) im Facility Management
Immobilienmanager/in (w/m/d)
Gutachter qualifiziert (w/m/d) für Immobilienbewertungen