Matera legt für Mitarbeiter alle Gehälter offen
Lohneinsichten. Um Konkurrenz unter den Mitarbeitern zu vermeiden, hat der Property-Manager Matera beschlossen, alle Gehälter intern öffentlich zu machen. Dieser Schritt soll gleichzeitig Gehaltsverhandlungen vereinfachen und eindeutige Karriereschritte aufzeigen.
Fast drei Viertel aller deutschen Arbeitnehmer haben sich schon einmal die Frage gestellt, wie viel die Kollegen verdienen. Das geht aus dem Stepstone-Gehaltsreport 2024 hervor. Doch nicht nur Klauseln in Arbeitsverträgen halten die Deutschen davon ab, über das eigene Einkommen offen zu sprechen. Laut der Studie des Stellenportals verschweigen die meisten ihr Einkommen auch, weil es als Teil der Privatsphäre gilt. 60% sprechen nicht einmal mit ihren eigenen Eltern über ihren Kontostand zum Monatsstart.
Einer der wenigen, der es tut, ist Moritz Himmelreich. Beim Property-Manager Matera weiß jeder seiner Mitarbeiter, was er als Country Manager für Deutschland verdient. Denn das Unternehmen hat sich dazu entschlossen, alle Gehälter intern zu veröffentlichen.
Transparenz als Teil des Employer-Brandings
Dabei hatte Himmelreich zunächst Bedenken. Mit dem Schritt folgte das Unternehmen dem übergeordneten Konzern, der das Experiment zunächst in Frankreich wagte. „Ich hatte schon etwas Angst, dass das zu Unmut oder Diskussionen führen könnte“, sagt er. Von Deutschland aus nahm er die Umsetzung jedoch als reibungslos wahr. „Vor allem was der CEO verdient, wollten die Leute wissen. Und manche waren erstaunt, weil sie dachten, sein Gehalt liege höher.“
Nach der anfänglichen Skepsis habe Himmelreich schnell Vorteile in dem Schritt der Offenlegung gesehen. So soll zum einen das Vertrauen unter den Mitarbeitern gefördert werden, wenn sie sehen, dass gleiche Arbeit mit gleichem Geld entlohnt wird, lange Gehaltsverhandlungen mit bestehenden Mitarbeitern sollen der Vergangenheit angehören und klare Perspektiven sichtbar werden.
Denn mit der Offenlegung der Gehälter, die neben dem Fixum auch geschätzte Boni beinhaltet, wurde auch das hauseigene Careerpath-System angepasst. „Für jede Stelle gibt es objektive Kriterien für ein Gehalt und Möglichkeiten, sich in Stufen von 2.500 Euro im Jahr hochzuarbeiten. Sie greifen bei der Übernahme von Personalverantwortung wie auch für zusätzliche Expertisen“, erklärt Himmelreich. Dieses System habe Matera nun kleinschrittig festgehalten, sodass sich jeder Mitarbeiter daran orientieren kann und weiß, welche zusätzliche Leistung zu einer Gehaltserhöhung führt. Damit das System gerecht ist und keine falschen Versprechungen gemacht werden, gab es einzelne Anpassungen bereits bei der Einführung.
Himmelreich erkennt so einen weiteren Vorteil in der Gehaltstransparenz. „Nicht nur aus der Mitarbeiterperspektive, sondern auch für uns ist es ein Instrument, das zeigen soll, ob unsere Gehälter noch marktüblich sind“, sagt er. Bei Stellenausschreibungen eine Gehaltsspanne anzugeben, sei auch kein Problem für das Unternehmen. Bei einem WEG-Verwalter liegt diese bei 50.000 bis 60.000 Euro im Jahr. Das deckt sich mit den Angaben, die sich beim Onlineportal Kununu finden lassen. Dort haben sich 84% der Bewerter als zufrieden mit ihrem Matera-Gehalt geäußert.
Doch einfach so konnte das Unternehmen die Gehälter nicht auf einer Liste für alle Mitarbeiter zugänglich machen. An einer ersten Umfrage, ob die Mitarbeiter Interesse an der Maßnahme haben, nahmen nicht alle teil, sondern nur diejenigen, die dem Vorhaben auch wirklich zustimmten.
Damit der Plan überhaupt umgesetzt werden konnte, musste aber auch der Datenschutz berücksichtigt werden. Das schriftliche Einverständnis jedes Mitarbeiters war notwendig, um ihn in die offene Liste mit aufzunehmen. Dieses gilt aber nur für die interne Veröffentlichung. „Ob jemand sein Einkommen auch nach außen öffentlich machen will, bleibt natürlich weiterhin jedem selbst überlassen“, betont Himmelreich. Die entsprechende Verschwiegenheitsklausel wurde in allen folgenden Arbeitsverträgen gestrichen. Ihr Gehalt über die interne Plattform öffentlich zu machen, stellte für Neuzugänge im Team aber kein Problem dar, inzwischen hat sich die Zahl der Mitarbeiter sogar fast verdoppelt.
Himmelreich ist überzeugt, dass der offene Umgang mit gezahlten Gehältern und festgesetzten Aufstiegsmöglichkeiten über alle Abteilungen und Hierarchieebenen hinweg nicht nur wegen der Vergleichbarkeit innerhalb des bestehenden Teams gut ankommt. Er sieht ihn auch als Teil des Employer-Brandings, der Bewerber anlockt, weil Transparenz ein Unternehmenswert ist, den viele Wechsler und Berufseinsteiger jetzt schätzen. „Und dieser Wert ist fest in unserer Unternehmenskultur verankert. Sowohl gegenüber Kunden als auch innerhalb des Teams.“