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Frederik Raspé: "KI nimmt uns nicht den Job weg – nur den Blödsinn"

Uneinheitliche und lückenhafte Datengrundlagen kosten Zeit und Nerven im Alltag. Damit die echten Profis mehr Kapazitäten für kluge Entscheidungen haben, sollten sie auf sinnvollen KI-Einsatz setzen, findet Frederik Raspé in seiner Kolumne.

Frederik Raspé
19. Februar 2026
Frederik Raspé.
Quelle: Acquirepad

Es ist nach 18 Uhr. Ich sitze immer noch im Büro. 64 Seiten, schlecht strukturiert und widersprüchlich. Eine „Mieterliste“ im Anhang, Flächenangaben ohne Einheit. Neben mir: Excel, Whatsapp, Outlook, Powerpoint, meine Wegbegleiter.

Die Immobilienwirtschaft lebt von klugen Entscheidungen und fähigen Leuten. Aber zu oft treffen wir sie auf Basis chaotischer Datenlagen und müssen dafür stundenlang aufräumen. Das hat sich lange irgendwie arrangieren lassen, in einem Markt, der nur nach oben ging. Doch die Zeiten sind jetzt andere. Wir arbeiten in einem Markt, in dem es neue Ansätze braucht, um zu gewinnen. Einer davon ist KI. Neue Systeme ermöglichen automatische Deal-Erfassung, Mieterlistenextraktion, Datenräume zu durchsuchen, 1-Pager und Entscheidungsvorlagen per Knopfdruck. Alles durch KI. Da stellt sich die Frage: Wie wichtig ist der Mensch noch?

Ich halte diese Sorge für verständlich, aber fehlgeleitet. Denn KI ersetzt nicht Denkprozesse, sie ersetzt repetitive Aufgaben. All die manuellen, redundanten, wenig sinnstiftenden Tätigkeiten, die in keinem Jobprofil stehen, aber doch große Teile des Alltags bestimmen. Das Übertragen von Mieten. Das Entwirren von Daten in schlecht formatierten PDFs. Niemand hat sich diese Arbeit ausgesucht. Und genau deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sie zu hinterfragen und zu automatisieren. Was wir dafür brauchen, ist nicht die nächste Buzzword-Welle, sondern Technologie, die mit der Realität unserer Branche umgehen kann. Mit fehlenden Datenpunkten. Mit Heterogenität. Mit der Einzigartigkeit von Immobilieninvestments.

Die eigentliche Chance liegt dabei nicht in „mehr KI“, sondern in mehr Ordnung. Zum ersten Mal haben wir ein Werkzeug, das uns helfen kann, dieses Chaos nicht nur schneller zu verwalten, sondern wirklich aufzuräumen: Informationen strukturieren, Widersprüche markieren, die Vorbereitung beschleunigen. Und genau das ist eine Aufgabe der nachrückenden Generation: Schluss mit dem stillen Akzeptieren von „so ist es halt“ und Prozessen, die darauf setzen, dass am Ende irgendwer mit genug Leidensfähigkeit alles geradezieht.

Die zentrale Frage ist nicht, ob KI Jobs ersetzt. Sondern, ob wir sie so einsetzen, dass sie uns entlastet, produktiver macht und wir mehr Zeit fürs Wesentliche haben, statt bis spät in der Nacht an Powerpoints zu basteln.

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