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"Die Bedeutung von Humanpotenzial wächst"

Ausbildung. Mit Christian Unsöld hat die EBZ Business School in Bochum eine Professur in innovativer Unternehmens- und Personalentwicklung besetzt. Unsöld, der aus der Unternehmensberatung kommt, will seine Erfahrungen aus anderen Branchen in die Lehre einbringen und so Theorie und Praxis verbinden. Er ist einer von 14 Professoren an der privaten Hochschule, die mehr als 1.000 Studenten in sieben Studiengängen mit immobilienwirtschaftlichem Bezug zählt.

Janina Stadel
15. Januar 2026
Christian Unsöld lehrt an der EBZ Business School.
Urheber: Daniel Vesen

Immobilien Zeitung: Wie haben Sie den Weg in die Immobilienwirtschaft gefunden und welche Rolle spielten Immobilien in Ihrer Ausbildung?

Christian Unsöld: Ich bin Urschwabe und jetzt im Rheinland gelandet. Ich habe technisch orientierte BWL in Stuttgart mit ingenieurwissenschaftlicher Vertiefung studiert und hatte meinen ersten Kontakt zu Immobilien während meines Studiums, als in der Familie ein Immobilienpaket gekauft wurde. Dafür musste eine GbR gegründet werden und ich wurde zum geschäftsführenden Gesellschafter. Damals ging es um knapp 30 Wohnungen und einen Bauplatz für Entwicklungen.

IZ: Aber Sie haben zwischenzeitlich auch andere Branchen kennengelernt?

Unsöld: Ich wollte auch mal ein größeres, professionelles Unternehmen und seine Strukturen kennenlernen. So bin ich dann zu einem Umwelt- und Entsorgungsunternehmen nach Köln gekommen, zuletzt als Mitglied der Geschäftsleitung. In dieser Rolle wurde mein Interesse an Organisationsstrukturen geweckt, also an Unternehmens- und Umfeldentwicklungen. Als ich mich in diese Richtung umorientieren wollte, kam eine ehemalige Mentorin mit einem Jobangebot in der Unternehmensberatung auf mich zu. Ich nahm an und stieg kurze Zeit später in das Trainings- und Coachingunternehmen meiner Frau ein.

IZ: An die EBZ Business School sind Sie als Professor für innovative Unternehmens- und Personalentwicklung gekommen. Warum dieses Thema?

Unsöld: In unserer Coachingfirma häuften sich die Anfragen zu diesen Themen. Und in mir kam der Wunsch auf, damit auch in der Lehre aktiv zu werden.

IZ: Wie sieht Ihr Job-Alltag aus?

Unsöld: Die meiste Zeit verbringe ich in Seminarräumen mit Gruppen von rund zehn bis 40 Studierenden. Wir arbeiten viel interaktiv zusammen mit unterschiedlichen Mitteln und Methoden. Da gibt es Gruppenarbeiten, Fallstudien, Rechercheaufträge und auszuarbeitende Präsentationen, in denen die Studenten den Stoff bearbeiten.

Alternative Karrierewegeim Fokus

IZ: Wie fügen sich die Themen in den Gesamtverlauf des Studiums ein?

Unsöld: Die Studenten kommen aus unterschiedlichen Fächern und Studiengängen mit immobilienwirtschaftlichem Bezug. Die größten Themen in der Lehre sind für mich Personal- und Organisationsmanagement sowie Rechtliches. Sie zählen zu den Grundlagen der BWL.

IZ: Und welche Fragestellungen beschäftigen Sie persönlich im Moment schwerpunktmäßig?

Unsöld: Speziell interessiert mich im Moment die Frage nach alternativen Karrierewegen wie Fachkarrieren, Mentoring, Projektlaufbahnen mit temporärer Führungsverantwortung und Expertenrollen mit Einfluss auf die Geschäftsleitung. Die Frage, wie diese Karrieren gefördert werden können und auf Unternehmensziele einwirken, ist spannend für die Zukunft. Sie wirken dem Fachkräftemangel entgegen und sorgen dafür, dass ein Unternehmen mit seinem Humankapital wettbewerbsfähig bleibt.

IZ: Welche Eigenheiten bietet die Immobilienwirtschaft zu Ihren Themen?

Unsöld: Ganz generell interessieren mich immer Transformationen und Change-Prozesse und wie sie nachhaltig in Unternehmen umgesetzt werden können, so, dass der Mensch dabei im Mittelpunkt steht und eine Unternehmenskultur aufgebaut werden kann. Das sind die großen Themen, die alle Branchen betreffen. Wie genau der Stand dazu in der Immobilienwirtschaft ist, wird sich für mich noch zeigen, denn ich bin erst im Spätsommer in diesen Schwerpunktzweig zurückgekehrt. In den kommenden Monaten werde ich ihn mir mit der Brille anderer Branchen anschauen und hoffe, Impulse setzen zu können.

IZ: Wie gehen Sie dabei vor?

Unsöld: Zum einen durch klassische Forschung. In einem Forschungsprojekt werde ich mit Entscheidern der Branche in den direkten Austausch gehen, aber auch in Workshops und bei Fachveranstaltungen. Ich lese zudem viel und halte Vorträge, um mein Netzwerk auszubauen. Zudem nehme ich weiterhin Beratertätigkeiten an.

IZ: Welche Themen kommen in diesem Jahr auf Sie und die Branche zu?

Unsöld: Die Immobilienwirtschaft ist stark diversifiziert und es gibt beruflich viele unterschiedliche Ausprägungen – und das bezieht sich auch auf Unternehmensgrößen. Aus meiner Sicht funktioniert es nicht, Lösungen von anderen zu adaptieren. Was bei dem einen Unternehmen gut klappt, kann für ein anderes nicht immer passen. Doch der Fachkräftemangel und künstliche Intelligenz beschäftigen alle. Diese Themen werden immer wichtiger und es wird darum gehen, technische Lösungen zu finden.

IZ: Was bedeutet das für den Wert der Mitarbeiter und Fachkräfte?

Unsöld: Die Bedeutung von Humankapital wächst exponentiell. Einfache Arbeiten werden weniger relevant, weil sie automatisiert werden können. Der Wettbewerbsvorteil kommt deshalb auf die Menschen zurück. Sie müssen auf neue Gegebenheiten reagieren und Agilität beweisen, um Herausforderungen anzunehmen. Die große Aufgabe besteht darin, Menschen dazu zu befähigen, agieren zu können.

IZ: Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Janina Stadel.

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