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Dechant holt Azubis aus der ganzen Welt

Mitarbeiterakquise. Um alle Ausbildungsstellen zu besetzen, geht Personalchef Ingo Buchmann bei Dechant internationale Wege. Über eine europaweite Plattform und ein eigenes Netzwerk in Drittstaaten konnte er schon 13 Fachkräfte aus dem Ausland in das fränkische Hochbauunternehmen holen.

Janina Stadel
23. April 2026
Azubi Karim Lakssissi (links) und Dechant-Personalchef Ingo Buchmann.
Quelle: Dechant

Rund 560 Mitarbeiter beschäftigt das Hochbau- und Ingenieurunternehmen Dechant im oberfränkischen Weismain. Um den Personalbedarf langfristig halten zu können, muss das Familienunternehmen jährlich 30 bis 35 Auszubildende einstellen. Doch im Schnitt bleibt in Deutschland derzeit etwa jeder vierte Ausbildungsplatz in gewerblichen Bauberufen unbesetzt. Firmen mit Sitz in ländlichen Regionen haben es besonders schwer, genügend junge Talente für sich und ihre Sparte zu begeistern.

Um alle Stellen in insgesamt neun Ausbildungsberufen zu besetzen, geht das Unternehmen aus Weismain daher neue Wege und erweitert den Kandidatenpool. Personalchef Ingo Buchmann wirbt inzwischen nicht nur auf Karrieremessen und bei Informationstagen für Schüler um Nachwuchskräfte, sondern geht auch internationale Wege: Er setzt bei der Azubi-Akquise zunehmend auf junge Talente mit Migrationshintergrund, vor allem aus Drittstaaten. Schon 13 junge Fachkräfte zwischen 22 und 28 Jahren konnte er so gewinnen, sie kommen überwiegend aus Afrika und Asien. „Die meisten haben Abitur und sprechen sehr gut Deutsch“, berichtet Buchmann und betont, dass die Sprache ein wichtiges Instrument für eine gelingende Integration sei. Azubi Karim Lakssissi hat Deutsch bereits vor dem Antritt seiner Ausbildung in Franken erlernt. Über Online-Sprachkurse hat er bis zum Sprachniveau B1 trainiert und sich per Telefon von seiner Heimat Marokko aus bei Dechant beworben. „Der Ausbildungs- und Arbeitsmarkt in Marokko bietet kaum noch Chancen. Wenn man weiterkommen möchte, muss man ins Ausland gehen“, berichtet der 25-Jährige, der zuvor an der Universität Fès ein Geografiestudium begonnen hatte. Seit September lässt er sich zum Beton- und Stahlbetonbauer ausbilden und betont, dass er vor allem vom dualen Ausbildungssystem hierzulande profitiere. Neben den praktischen Einheiten auf der Baustelle und dem Unterricht an der Berufsschule stellt Dechant dabei noch weitere Kurse und Schulungen zur Verfügung und vertiefende Sprachkurse für Azubis aus dem Ausland.

Talentepool über Kontinente hinweg

Um interessierte Bewerber wie Lakssissi über Ländergrenzen hinweg auf die Angebote des deutschen Unternehmens aufmerksam zu machen, hat Buchmann sich ein internationales Netzwerk aufgebaut. So kooperiert der Personaler zum Beispiel mit einer Schule in Simbabwe. Der dortige Schulleiter kontaktiere ihn regelmäßig, wenn einer seiner Schüler Interesse an einer Ausbildung in Deutschland zeigt. Buchmann bekommt so Vorschläge, die bereits eine Vorauswahl durchlaufen haben, denn der Lehrer vor Ort weiß genau, welche Sprachkenntnisse für den Start bei Dechant nötig sind, und kann auch weitere Eignungen schon vor dem Erstkontakt abfragen.

Einen Tipp hat Buchmann mit Blick auf administrative Vorgaben, die die internationalen Einstellungen mit sich bringen. „Bewährt hat sich für uns das Jobportal European Employment Service, kurz Eures“, sagt er und erklärt, „Das ist eine Plattform, die Arbeitgebern hilft, geeignete Arbeitskräfte in 31 europäischen Ländern zu finden.“ Bei Dechant selbst seien inzwischen Fachkräfte aus 20 Nationen beschäftigt, der Anteil von Mitarbeitern mit Migrationshintergrund liege bei 15%.

Dass die Integration nicht nur im Job, sondern auch unter den Kollegen reibungslos funktioniere, führt Buchmann auf die Führungsstrategie im Unternehmen zurück. „Dechant hat den großen Vorteil, ein Familienunternehmen zu sein. Hier kennt der Eigentümer noch jeden Mitarbeiter mit Namen und die Strukturen sind flach“, sagt er. Zudem unterstütze das Unternehmen bei der Wohnungssuche in Deutschland oder stelle für die Zeit der Ausbildung firmeneigene Apartments zur Verfügung. Ein wichtiger Punkt für Lakssissi sei außerdem die langfristige Perspektive im Unternehmen. Er will nach seiner Lehrzeit nicht nur weiter in Deutschland, sondern auch bei seinem Arbeitgeber bleiben. „Vielleicht“, so seine Pläne, “ mache ich noch eine Weiterbildung oder sogar ein Studium.“

Plattform Eures vermittelt Fachkräfte

Bei der Plattform European Employment Services (Eures) handelt es sich um ein von der EU koordiniertes Kooperationsnetzwerk. Ziel ist es, Arbeitsplätze in der EU, dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) und der Schweiz zu vermitteln. Insgesamt sind 31 Länder angeschlossen. Auf der Online-Plattform können Bewerbungsunterlagen hochgeladen werden, und Arbeitgeber können auf eine Datenbank von Kandidaten zugreifen. Zudem erhalten Nutzer Informationen zu Steuern, durchschnittlichen Lebenshaltungskosten und Sozialgesetzgebungen in allen Ländern. Eures ist an Arbeitsverwaltungen, Gewerkschaften und Verbände angebunden. Die Nutzung ist sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer kostenlos.
Janina Stadel

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