Bewerber brauchen Praxiserfahrungen
Der Hochtief-Konzern stellt als bestplatziertes Unternehmen der Top- Arbeitgeber-Umfrage 2010 dieses Jahr eine Menge Nachwuchskräfte ein, stellt aber auch hohe Anforderungen an die Anwärter auf eine Traineestelle.
Die Hochtief-Traineeprogramme dauern 18 bis 24 Monate. Dabei werden die Kandidaten fachbezogen eingesetzt, beispielsweise als Junior-Projektentwickler. Die Mitarbeiter werden bedarfsbezogen rekrutiert. „Wir schauen genau darauf, welche Fähigkeiten die Bewerber für den jeweiligen Unternehmensbereich und die spezielle Position mitbringen“, sagt Sabine Hübner-Henninger, Leiterin Personalmarketing und Bewerbermanagement Hochtief.
Traineeprogramme gibt es sowohl bei der Hochtief Projektentwicklung als auch bei Hochtief Construction. Dazu kommen Ausbildungen in der Konzernzentrale beispielsweise als Referendar in der Rechtsabteilung oder als Volontär in der Kommunikationsabteilung. 2010 stellt Hochtief in Deutschland 60 bis 80 Nachwuchskräfte ein. Die Einstiegsgehälter liegen zwischen 36.000 Euro und 43.000 Euro brutto jährlich.
Im Schnitt zwei Drittel der Trainees besitzen eine technisch orientierte Ausbildung und sind Maschinenbau- oder Wirtschaftsingenieure. Dazu kommen viele Betriebswirtschaftler. Gewünscht sind auch Kombinationen der Studiengänge. Teils sind je nach Projekt auch ganz andere Kenntnisse gefragt. Zum Beispiel hat Hochtief jüngst einen Forstwirtschaftler eingestellt.
Bewerber müssen Mobilität gezeigt haben
Jedes Jahr gehen mehrere hundert Bewerbungen bei Hochtief ein. Es wären wohl noch mehr, gäbe es nicht die Bedingung, dass die Bewerber bis zum Einstieg mit ihrer Ausbildung fertig sein müssen. Bei der Auswahl der Kandidaten achtet man neben guten Studienergebnissen und der Dauer des Studiums vor allem auf die bisher absolvierten praktischen Erfahrungen. „Es ist von Vorteil, wenn die Bewerber Mobilität gezeigt haben und weiterhin zeigen“, sagt Hübner-Henninger.
Auslandserfahrungen sieht die Personalerin dabei als das I-Tüpfelchen an. „Dies liegt allein schon an den damit verbundenen besseren Sprachkenntnissen“, sagt Karl-Heinz Beckhoff, Leiter der Personalabteilung von Hochtief Real Estate. Gerade die Englischkenntnisse würden immer wichtiger. Zudem wird berücksichtigt, welche Dinge den Menschen sonst noch interessant machen, beispielsweise besondere Hobbys. Bei der Zusammenstellung ihrer Bewerbungsunterlagen sollten die Anwärter auf eine Hochtief-Traineestelle sorgfältig vorgehen. Unter anderem ist darauf zu achten, dass das Anschreiben keine Fehler enthält. Gerade bei den Online-Bewerbungen ist eine nachlassende Sorgfalt zu beobachten. „Dabei wünschen wir uns gerade Online-Bewerbungen über das Bewerbungsportal auf unserer Internetseite“, sagt Beckhoff.
Wer es geschafft hat, als Trainee angenommen zu werden, wird innerhalb des Einstiegsprogramms durch mehrtägige Workshops beim Netzwerken innerhalb des Unternehmens unterstützt und von Praktikern beraten. Durch fachübergreifende Inhalte soll den Trainees ein besserer Üblick über die Zusammenhänge im Unternehmen verschafft werden. Überhaupt messen die Hochtief-Personaler dem Thema Netzwerken eine große Bedeutung bei.
In Mitarbeitergesprächen können die Trainees mit ihren Vorgesetzten über die gesammelten Erfahrungen, ihre Ziele und Karriereperspektiven sprechen. Jeder Trainee wird durch einen Mentor begleitet. Bei den Mentoren handelt es sich um langjährige Mitarbeiter, die sich oft in Führungspositionen befinden.
Unter den Trainees finden sich Absolventen von Bachelor-, Master- und Diplomstudiengängen. Als kritisch sieht Hübner-Henninger die mit den neuen Abschlüssen einhergehenden verkürzten Studiendauern an, die geschaffen wurden, um hohe Abbrecherquoten zu vermindern: „Teilweise fallen dadurch die Praxisinhalte weg.“ Die Zeiten, in denen Praktika absolviert werden können, verringern sich auf wenige Wochen im Jahr. „Die Studenten haben dann kaum noch eine Chance, praktische Erfahrungen zu sammeln“, sagt die Personalerin.
Trainees können auch ins Ausland gehen
Traineeprogramme werden von Hochtief auch im Rahmen von Auslandsprojekten angeboten und dauern in diesem Fall meist zwei Jahre. Dabei wird der Nachwuchs in Deutschland eingearbeitet und dann für mindestens vier Monate in eine ausländische Hochtief-Niederlassung geschickt, um spezielle Anforderungen wie bestimmte Arbeitsweisen oder kulturelle Gepflogenheiten kennenzulernen, die der Standort an die Mitarbeiter stellt. Zudem werden die Trainees vor Ort betreut. Läuft alles nach Plan, können die Nachwuchskräfte in ihrem späteren Berufsleben wichtige Schlüsselpositionen im Konzern einnehmen.
Um den Branchennachwuchs frühzeitig auf sich aufmerksam zu machen, zeigt Hochtief an Schulen und Hochschulen Präsenz, unter anderem an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH), der European Business School in Oestrich-Winkel und der Hochschule Biberach. An letzterer Fachhochschule besitzt Hartmut Veigele, Hochtief-Regionalbereichsleiter, eine Professorenstelle und hat ein Gemeinschaftsprojekt mit zwei großen argentinischen Universitäten initiiert.