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Azubi oder Student? Beides!

Bereits seit den 1960er Jahren versuchen Bildungspolitiker die Durchlässigkeit des beruflichen und hochschulischen Bildungssystems in Deutschland zu erhöhen. Der sich abzeichnende Fachkräftemangel und die Politik des lebenslangen Lernens bringen neuen Schwung in die Bemühungen. Nun ist an der Hochschule 21 in Buxtehude ein interessantes Konzept aus der Taufe gehoben worden: Duales Studium plus Ausbildung zum Facharbeiter mit einem vereinfachtem Zugang zur Meisterprüfung sollen den Nachwuchs für die Bauwirtschaft begeistern.

Sonja Smalian
04. August 2011
Die Bauwirtschaft will den Nachwuchs mit einem attraktiven Studienangebot ködern: An der Hochschule 21 erwerben die Studenten sowohl den Facharbeiter als auch den Abschluss Bachelor of Engineering.
Bild: Stanislav Komogorov/Fotolia.com, Thorsten Schmitt/Fotolia.com, Montage: IZ

„Dual Quadrat“ heißt das neue Programm an der Hochschule 21. Es führt in neun Semestern zu dem Abschluss Bachelor of Engineering und dem Facharbeiter. Zusätzlich dürfen die Absolventen die Berufsbezeichnung Ingenieur tragen. Die Handwerkskammer eröffnet den Absolventen zudem einen vereinfachten Zugang zur Meisterprüfung, weil mit dem Studium die Theorieinhalte der Meister-Vorbereitung abgedeckt sind. Eine entsprechende Kooperationsvereinbarung hat die Hochschule mit dem Bauindustrieverband Niedersachsen-Bremen und dem Ausbildungszentrum der Bauwirtschaft (Bau-ABC Rostrup) am 7. Juli dieses Jahres unterschrieben.

9 Semester zum Doppelabschluss

Der Weg vom Gesellen über den Ingenieur zum Meister dauert mit dem neuen Konzept der drei Kooperationspartner insgesamt nur viereinhalb Jahre. Ein eindeutiges Plus, ist sich Hochschulpräsident Prof. Dr. Martin Betzler sicher: „Mit Dual Quadrat gewinnen Berufe in der Bauwirtschaft, wie zum Beispiel Zimmermann oder Bauzeichner, bei den motivierten Schulabgängern an Attraktivität.“ Angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels sei es unerlässlich, mehr junge Menschen als bisher für ein Ingenieurstudium zu gewinnen und Berufsanfänger so schnell wie möglich in die Praxis zu bringen. Und mit der Praxis beginnt auch das Studium: Die ersten zwei Semester sind reine Ausbildungssemester, die im Ausbildungsbetrieb sowie im Ausbildungszentrum des Bau-ABC Rostrup in Bad Zwischenahn stattfinden. Ab dem dritten Semester beginnt das duale Studium, d.h. die Studenten wechseln dann alle drei Monate zwischen Hochschule und praktischer Ausbildung im Betrieb. Nach dem sechsten Semester wird die für die jeweiligen Berufsbilder vorgeschriebene Kammerprüfung Spezialfacharbeiter abgelegt und nach weiteren drei Semestern schließt das Studium mit dem Bachelor of Engineering ab. Bislang wird das Programm Dual Quadrat für die Ingenieurstudiengänge Bauingenieurwesen sowie Bauen im Bestand angeboten. Darüber hinaus soll es eine Integration von Ausbildungsberufen im Studiengang Mechatronik geben. Eine Ausdehnung auf den Studiengang Bau- und Immobilienmanagement sei derzeit nicht geplant, so Betzler.

Immo-Kaufmann + Bachelor

Auch für die Ausbildung zum/r Immobilienkaufmann/-frau kennt die Immobilienwirtschaft ein ähnliches Modell: Seit 2008 kann der Immo-Nachwuchs bereits parallel zur Berufsausbildung an der EBZ Business School in Bochum ein Bachelor-Studium absolvieren. Zulassungsvoraussetzung ist die (Fach-)Hochschulreife oder das Bestehen der Zulassungsprüfung (z.B. für Immobilienfachwirte). Jedes Semester sind etwa 15% der neu angemeldeten Studenten an der EBZ Business School gleichzeitig Auszubildende. Oft entscheiden sie sich erst nach ein oder zwei Jahren nach Beginn der Ausbildung für ein Studium – und ziehen es dann auch durch. Abbrecher gab es bislang noch nicht.

Dass das Kombi-Angebot die klassischen Ausbildungs- und Studienwege ablösen könnte, glaubt Klaus Leuchtmann, EBZ-Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer der EBZ Business School indes nicht: „Der Ausbildungsberuf wird ebenso wie das klassische Vollzeitstudium seinen Stellenwert behalten. Aber die Flexibilisierung und Individualisierung wird auf jeden Fall weiter voranschreiten: Moderne Bildungsangebote werden die Lebenssituationen der Menschen und die Bedürfnisse der Unternehmen besser adaptieren als in der Vergangenheit.“ (sma)

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