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Arbeitsunfälle - keine Kollateralschäden!

Die Zahl der Arbeitsunfälle sinkt seit Jahren. Doch jeder Unfall, jeder verletzte oder sogar tödlich verunglückte Mitarbeiter sei einer zu viel, sagt Nils Olov Boback, Geschäftsführer von NCC Deutschland. Der Konzern hat gerade seinen zweiten Awareness Day veranstaltet, um mit den Beschäftigten Maßnahmen zur Arbeitssicherheit zu diskutieren und zu entwickeln.

Sonja Smalian
13. September 2012
Am 5. September dieses Jahres ruhte die Arbeit bei allen Ländergesellschaften von NCC für einige Stunden. Alle Mitarbeiter, auf den Baustellen und in den Büros, diskutierten beim zweiten Awareness Day, wie Arbeitsunfälle verhindert werden können.
Bild: NC

Mit einer Schweigeminute begann für alle 17.500 Mitarbeiter des NCC-Konzerns der zweite Awareness Day zum Thema Arbeitssicherheit. Auch die rund 650 Mitarbeiter in Deutschland ließen um neun Uhr ihre Arbeit ruhen – und gedachten ihrer drei in den vergangenen zwölf Monaten tödlich verunglückten Kollegen. Mehrere Stunden diskutierten die Mitarbeiter Ansätze, um die Arbeit sicherer zu machen. Schwerpunktthemen waren in diesem Jahr die Sicherheitskultur, Arbeiten in der Höhe, Kranarbeiten und Arbeiten in verkehrsreicher Umgebung.

Während es auf den Baustellen u.a. darum ging, wie Stürze verhindert werden können, diskutierten die rund 500 Bürokräfte in Deutschland über die richtige Beleuchtung, die Vermeidung von Stolperfallen durch Kabel sowie eine gesundheitsgerechte Gestaltung der Arbeitsplätze.

Veränderung der Unternehmenskultur

Boback geht es vor allem um eine Veränderung der Wahrnehmung. Er kritisiert, dass das Denken beim Thema Arbeitssicherheit vor allem von den Vorgaben der Berufsgenossenschaft geprägt sei. Doch Arbeitssicherheit sei viel mehr, als nur durch Kontrollen aufgedeckte Missstände abzustellen. Er will eine neue Kultur des Hinsehens einführen. Jeder Mitarbeiter soll auf der Baustelle genau hingucken, wo es Missstände gibt, und diese beseitigen. 2011 verzeichnete das Unternehmen zwölf Unfälle, in den ersten acht Monaten dieses Jahres nur sieben. Als Unfälle zählt NCC dabei all jene Zwischenfälle, die zu einem Krankheitsausfall am nächsten Tag führen. Diese Zahl konnte reduziert werden: 8,08 Ausfalltage je Mitarbeiter gab es bis Ende August 2011. Diese Zahl reduzierte sich auf 7,75 Ausfalltage zum 31. August dieses Jahres. Dabei zählt das Unternehmen jeden Ausfalltag, und nicht wie wohl manch anderes Unternehmen erst ab dem vierten Ausfalltag.

„Jeder schwere Unfall ist sehr bedauernswert und wird nicht akzeptiert“, sagt Boback. Sobald etwas passiert, werde er sofort benachrichtigt. Dass Arbeitsunfälle keine hinnehmbaren Kollateralschäden eines Projekts sind, macht er sehr deutlich: Arbeitssicherheit gehe vor Gewinn und vor Termintreue, betont Boback. Gerade beim letzten Punkt sieht er auch die anderen Marktteilnehmer in der Pflicht und möchte diese nicht zuletzt mit dem Awareness Day aufrütteln. Weder dem Architekten noch dem Mitarbeiter im Büro einer Bank, der die Projektfinanzierung sicherstellt, weit weg von der Baustelle, dürften die Arbeitssicherheit und Unversehrtheit der Arbeiter gleichgültig sein. Auch von ihnen erwartet er, dass sie sich Gedanken über den Prozess zur Erstellung ihres Projekts machen. Um das Thema Arbeitssicherheit auch stärker in die Öffentlichkeit zu tragen, hat NCC verschiedene Politiker zum Awareness Day eingeladen – vergeblich.

Vielleicht liegt das auch daran, dass die Zahl der Arbeitsunfälle im vergangenen Jahr um mehr als 1.000 auf 116.689 Unfälle gesunken ist. Im Zehn-Jahres-Vergleich haben sich die Unfallzahlen sogar um 36% (ca. 65.000) verringert, wie Untersuchungen der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) zeigen. Zudem verunglücken auch immer weniger Menschen tödlich bei Arbeitsunfällen (2011: 99; 2010: 103).

Stürze zählen zu den häufigsten Unfallursachen

Die Auswertung der Unfälle durch die BG BAU zeigt, dass Beschäftigte insbesondere durch Abstürze von hochgelegenen Arbeitsplätzen gefährdet seien, dazu zählen Durchstürze sowie Abstürze von Dächern oder Gerüsten. Zudem gebe es zahlreiche Unfälle durch Baumaschinen. Die Berufsgenossenschaft spricht sich denn auch für regelmäßige Baustellenbesichtigungen durch Aufsichtspersonen der BG BAU aus. So gebe es z.B. finanzielle Unterstützung bei der Nachrüstung schwerer Baumaschinen mit Kamera-Monitor-Systemen.

Auch NCC hat sich Maßnahmen überlegt, um die Arbeitsabläufe anders zu organisieren. Wenn es zu hektisch wird, kann auf der Baustelle ein „Timeout“ wie beim Basketball eingefordert werden. Dann wird die Arbeit unterbrochen und die Sicherheitslage noch einmal geprüft. Zudem sind ab Anfang 2013 die Leiter der verschiedenen Leitungsebenen verpflichtet, mindestens zwei Begehungen pro Jahr zum Thema Arbeits- und Gesundheitsschutz durchzuführen. „NCC hat eine Null-Unfälle-Vision. Jeder Mitarbeiter soll jeden Tag gesund nach Hause kommen“, sagt Boback. Aus diesem Grund hat NCC sogar die Abschaffung von Leitern diskutiert.

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Aufgewachsen ist Florian Bauer im oberbergischen Waldbröl und Reichshof. Seinen Karrierestart hatte der inzwischen 36-Jährige bei der Sparkasse Gummersbach-Bergneustadt. Mittlerweile lebt der zweifache Familienvater in Köln und auf Mallorca. Von dort aus leitet der ausgebildete Bankkaufmann, Versicherungsfachmann und Immobilienökonom mit der Bauer Immobilien Unternehmensgruppe seine eigene Firma. Außerhalb des Büroalltags und fernab vom Schreibtisch trifft man ihn nicht selten auf der Rennbahn. Er ist sich sicher, wenn er den Weg in die Immobilienbranche nicht gefunden hätte, wäre er Motorsportler geworden.