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Am wenigsten gibt's für Ingenieure auf dem Bau

Bauingenieure müssen sich nach einer aktuellen Gehaltsstudie innerhalb der ingenieurwissenschaftlichen Fachrichtungen mit der niedrigsten Vergütung begnügen. 2002/03 hatten sie hingegen noch zu den Top-Verdienern gezählt, zeigt eine andere Untersuchung. Die Vergütung allein sollte denn auch nicht Entscheidungskriterium für oder gegen den Beruf sein.

Sonja Smalian
20. Januar 2011

Obwohl sie oft große und langfristig sichtbare Projekte der gebauten Umwelt verantworten, sind Bauingenieure die Geringverdiener unter den Ingenieuren. Wer sich hingegen mit den quasi unsichtbaren elektronischen oder Fernmeldeimpulsen auskennt, kann mit einer deutlich dickeren Lohntüte rechnen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI), einer Forschungsabteilung der Hans-Böckler-Stiftung. Für ihre berufsbezogene Einkommensanalyse werteten die Forscher rund 11.000 Datensätze aus, die von 2006 bis Mitte 2010 durch das Projekt Lohnspiegel erhoben wurden. Die vollständige Studie ist in der Ausgabe 1/2011 der WSI-Mitteilungen erschienen.

Im Durchschnitt verdienen Ingenieure monatlich 4.380 Euro, doch die Schwankungen zwischen den sieben untersuchten Ingenieurberufen (Bau-, Chemie-, Maschinenbau-, Software-, Wirtschafts-, Elektro- sowie Elektronik- und Fernmeldeingenieure) ist groß: 1.127 Euro verdienen Bauingenieure im Schnitt monatlich weniger als Elektronik- und Fernmeldeingenieure.

Für große Einkommensunterschiede sind neben der Betriebsgröße die geografische Lage, das Geschlecht, die Tarifbindung und eine Vorgesetztenposition verantwortlich. Durchschnittlich rund 32% mehr verdienen Ingenieure in Großbetrieben mit mehr als 500 Beschäftigten im Vergleich zu Ingenieuren, die in Betrieben mit weniger als 100 Angestellten arbeiten. Bei den Bauingenieuren beträgt diese Differenz jedoch nur knapp 24%. Das West-Ost-Gefälle ist ebenfalls stark ausgeprägt: Im Durchschnitt muss ein Ingenieur in Ostdeutschland Einbußen von 23% hinnehmen. Bei den Bauingenieuren betragen diese „nur“ 19%.

Gender Gap bei den Bauingenieuren am höchsten

Alarmierend ist jedoch die hohe Gehaltsdifferenz zwischen Frauen und Männern. Hier nehmen die Bauingenieure eine unrühmliche Spitzenposition ein mit einem Lohnabstand von 19% (Durchschnitt: 17%). Positiv fallen hier die Elektronik- und Fernmeldeingenieure auf: In diesem Teilsegment gibt es fast keine Lohndifferenz mehr (0,5%), allerdings verzeichnet dieser Bereich auch den niedrigsten Frauenanteil (3%).

Besonders stark wirkt sich eine Tarifbindung auf das Gehalt aus: Im Schnitt sorgt sie für monatliche Mehreinnahmen in Höhe von 816 Euro (21%). Bei den Bauingenieuren sind es immerhin noch 19%. Zumal in tarifgebundenen Unternehmen auch deutlich häufiger Sonderzahlungen (Weihnachts- und Urlaubsgeld) geleistet werden.

Für deutlich mehr Geld am Monatsende als eine Tarifbindung sorgt hingegen eine Promotion, und zwar besonders bei den Bauingenieuren mit einem Plus von rund 27% (Durchschnitt: 19%). Vorgesetztenpositionen zahlen sich für Bauingenieure ebenfalls besonders stark aus (+23%; Durchschnitt: 18%).

Auch wenn viele einzelne Faktoren für ein sattes Gehaltsplus sorgen können, liegen die Bauingenieure im Vergleich mit den anderen Ingenieurberufen nach der Lohnspiegel-Analyse hinten.

Das war jedoch nicht immer so, wie eine umfassende Studie der VDI Nachrichten zu Ingenieureinkommen von 2002 bis 2010 zeigt, die auf rund 100.000 Datensätzen basiert: 2002 und 2003 belegten Ingenieure im Baugewerbe (Einsteiger und Berufserfahrene) beim Vergleich der Jahresbruttogehältern denn auch noch die vorderen Plätze. Der Absturz kam 2004 – um ein Viertel sackten die Ingenieursgehälter im Baugewerbe ab. Reinhold Jesorsky, zuständig für den Bereich Bautechnik beim VDI Verein Deutscher Ingenieure, sieht dennoch Gehaltsanalysen als Momentaufnahme. Es wäre falsch, seinen Beruf an der Höhe der Einstiegsgehälter festzumachen, „denn sonst müssten ja alle Fußballer in der Bundesliga werden wollen“. Um Nachwuchs für den Beruf des Bauingenieurs zu werben, arbeiteten die Verbände Hand in Hand, sagt Jesorsky. Nicht zuletzt der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie tut sich hierbei hervor mit einem überzeugendem Kampagnenauftritt mit dem suggestiven Domain-Namen: www.werde-bauingenieur.de (sma)

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