Nur der rechtzeitige Abgang bietet CFOs Sicherheit
Die Position von Finanzvorständen hat sich verändert, als Kopilot und Sparringspartner des CEO sind sie immer häufiger in einer exponierten Position – und damit auch näher am Abgrund. Muss der CEO gehen oder lässt der Unternehmenserfolg zu wünschen übrig, dann wird oft auch für den Finanzvorstand das Sicherheitsnetz löchrig, wie eine aktuelle Studie zeigt. Mit Blick auf seine eigene Karriere sollte sich der CFO also rechtzeitig absetzen, will er nicht ins berufliche Abseits geraten.
Bei geringem Unternehmenserfolg steigt nicht nur für Vorstandsvorsitzende die Wahrscheinlichkeit einer vorzeitigen Entlassung, sondern auch für Finanzvorstände. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie „Unternehmenserfolg, Wechsel im Vorstandsvorsitz und Disziplinierung von Finanzvorständen“, die Prof. Dr. Utz Schäffer von der WHU – Otto Beisheim School of Management gemeinsam mit Prof. Ansgar Richter (PhD) von der European Business School durchgeführt hat. Zwischen 1999 und 2006 haben sie insgesamt 122 Wechsel von Finanzvorständen in Dax- und MDax- Unternehmen untersucht. Branchenspezifische Unterschiede habe er dabei nicht feststellen können, sagte Schäffer, Direktor des Instituts für Management und Controlling der WHU.
Der Finanzvorstand ist vom Vorstandsvorsitzenden abhängig
Mit ein Grund für eine höhere Wahrscheinlichkeit einer Entlassung ist die Nähe des Finanzvorstands zum Vorstandsvorsitzenden. Beide arbeiten so eng zusammen, dass der CFO nicht mehr als unabhängig wahrgenommen wird, glauben die Forscher, und das wird ihm bei einer vorzeitigen Entlassung des CEO mitunter zum Verhängnis: 47% der Entlassungen von CFOs erfolgen in zeitlicher Nähe zu „erzwungenden CEO-Wechseln“. Im Gegensatz zu Routine-Wechseln (planmäßiger Ruhestand, Wechsel in der Vorstandverantwortlichkeit etc.) sind erzwungene Wechsel durch Differenzen mit dem Aufsichtsrat bzw. dem Vorstandsvorsitzenden, explizite Fehler oder eine überraschende vorzeitige Vertragsauflösung ohne Nennung plausibler Gründe gekennzeichnet. Besonders gefährdet ist der Finanzvorstand, wenn er etwa zeitgleich mit dem in Ungnade gefallenen CEO seine Stelle angetreten hat – dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er mit diesem das Unternehmen (vorzeitig) verlassen muss.
Als jüngstes prominentes Beispiel nennen die Forscher den Abgang von Wendelin Wiedeking und Holger Härter bei Porsche im Sommer 2009. Auch die Immobilienbranche kennt solche Konstellationen. Nachdem die am Rettungsplan beteiligten Banken wie auch Bundespolitiker den Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden Georg Funke bei der einst im Dax gelisteten Hypo Real Estate gefordert hatten, legte dieser Anfang Oktober 2008 seine Ämter nieder. Noch vor Weihnachten musste auch Finanzvorstand Markus Fell gehen – neben einer ganzen Reihe weiterer Führungspersonen.
Ein schlechtes Geschäftsergebnis birgt denn auch weiteres Gefahrenpotenzial für den Finanzvorstand und erhöht die Wahrscheinlichkeit eines vorzeitigen Endes seiner Amtszeit: „Wenn der CEO seine eigene Entlassung fürchten muss, kann das für ihn durchaus ein Anreiz sein, das Vorstandsteam umzubauen“, so Schäffer. „Auch für den Aufsichtsrat erscheint die Absetzung des CFO oft als die risikoärmere Strategie als die Trennung vom CEO.“
CFOs müssen manchmal Sündenböcke für die CEOs spielen
Dieses Phänomen hat auch Thoralf Reise, Managing Partner von Gemini Executive Search, in der Immobilienwirtschaft beobachtet: „CFOs sind teilweise auch Bauernopfer.“ Zumal das Ausscheiden eines CEO im Gegensatz zum Weggang eines CFO von der Öffentlichkeit ungleich stärker wahrgenommen werde.
Offenbar eignen sich die Finanzvorstände auch deswegen so gut als Sündenböcke, weil sie aufgrund ihrer funktionalen Spezialisierung als besonders einfach zu ersetzen gelten, wie die Untersuchung von Schäffer und Richter zeigt. Deutlich wird dies nicht zuletzt dadurch, dass 40% der CFOs aus anderen Branchen kommen, während das bei den CEOs nur auf jeden Zehnten zutrifft.
Nach dem unfreiwilligen Wechsel kommt oft der Karriereknick
Hat ein CFO seinen Posten erst einmal unfreiwillig räumen müssen, so führt das meist unweigerlich zu einem Karriereknick: Denn nur 7% schaffen es, innerhalb eines Jahres wieder eine vergleichbare Position zu erreichen, zeigten die Forscher. Schwierigkeiten von ehemaligen CFOs beim (Wieder-) Einstieg auf derselben Ebene hat auch Thomas Flohr, Geschäftsführer von Heuer Karriere, in der Immobilienwirtschaft beobachtet.
Zudem rächt sich hier abermals die vermeintliche oder echte Austauschbarkeit der Funktionsträger. So sieht Reise als einen Hinderungsgrund für den schnellen Wechsel in ein anderes Unternehmen den großen Wettbewerb zwischen brancheninternen und -externen Kräften bei CFOs. Wer einmal draußen ist und wem der Malus eines unfreiwilligen Ausstiegs anhaftet, der hat es schwer. So manch einer wechsele dann in die Selbstständigkeit als Berater oder steigt auch als Leiter des Finanz- und Rechnungswesens etwas tiefer wieder ein, sagt Flohr. Manch einer versuche sich auch in einer anderen Branche, sagt Reise.
Selten gelingt der Sprung vom CFO an die Unternehmensspitze
Dass der Schleudersitz-Posten auch als Sprungbrett auf den Vorstandsvorsitz dient, ist höchst selten, obwohl so mancher CFO als Kronprinz gehandelt wird. „Ein typischer Finanzvorstand, dem der Aufstieg gelingt, war meist recht lange im Unternehmen tätig, hatte auch operative Verantwortung und steigt schließlich mittels einer routinemäßig geplanten Nachfolge in die CEO-Position auf“, sagt Utz Schäffer. Wird der CEO im Unfrieden entlassen, gibt es für den CFO jedoch keine Chance, den Chef zu beerben, wohl aber für andere Ressortmanager.
Wer als CFO also weiterhin eine herausgehobene Funktion bekleiden will, der sollte „gehen, wenn es am schönsten ist“: 80% der CFOs, die freiwillig das Unternehmen wechselten, konnten wieder ähnliche Position erlangen. „Er sollte immer die Augen offen halten, ob Unheil heraufzieht, damit er sich frühzeitig absetzen kann“, kommentiert Schäffer die Ergebnisse. Wer im Karriere-Sicherheitsnetz landen möchte, sollte also rechtzeitig den Absprung finden. (sma)