"Ich bin die Regisseurin meiner Projekte"
Unternehmertum. Ihre Projekte verwirklicht die Developerin Jana Mrowetz ohne großen Mitarbeiterstamm. Sie setzt auf Netzwerkarbeit, um Experten aus ganz Europa zusammenzubringen. Die Flexibilität dieses Konzepts sieht sie als klaren Vorteil in der aktuellen Marktsituation.
Immobilien Zeitung: Zur Mipim sind Sie mit Ihrem Team angereist, aber ohne klassische Mitarbeiter. Was unterscheidet dieses Modell sowohl von Einzelunternehmern als auch von großen Unternehmen?
Jana Mrowetz: Kleinst- oder Einzelunternehmer sind für mich Personen, deren Leistung eins zu eins stattfindet, bewertet und schließlich auch bezahlt wird. Mehr Erfolg wird bei ihnen durch mehr Arbeit definiert. Konzernstrukturen, als das Gegenteil davon, haben Hierarchien und wirken über Masse. Sie sind jedoch wenig agil. Dazwischen entsteht heute ein neuer Unternehmertyp, unternehmerisch plattform- und netzwerkbasiert.
IZ: Klingt nach einer Frage des Mindsets?
Mrowetz: Ich definiere meine Art von Unternehmertum nicht über die Zahl der Mitarbeiter, sondern möchte mit meiner Arbeit einen Impact schaffen und auf Markttrends reagieren können. Dafür arbeite ich mit Netzwerken zusammen. Auch bei uns gibt es Verbindlichkeiten und Verträge, es gibt eine Struktur, die bleibt aber flexibel und agil.
IZ: Welche Rolle nehmen Sie selbst bei der Umsetzung eines Projekts ein?
Mrowetz: Als ich noch beim Film gearbeitet habe, kam am Set oft die Frage auf, was eigentlich die Rolle des Regisseurs ist. Für mich war immer klar: Er sorgt dafür, dass alle den gleichen Film drehen und ihn auf die gleiche Weise interpretieren. Genauso sorge ich jetzt dafür, dass alle Beteiligten an einem Projekt die gleiche Vision verfolgen und aus vielen Einzelleistungen ein stimmiges Ganzes wird. Der Businessplan ist unser Drehbuch.
IZ: Von einem Wohnprojekt in Berlin bis zu einem Hotel in Portugal fällt Ihre Arbeit unterschiedlich aus. Wie finden Sie die passenden Leute dafür?
Mrowetz: Mein Netzwerk habe ich mir über Jahrzehnte aufgebaut. So ist eine ganze Plattform an internationalen Experten mit unterschiedlichen Schwerpunkten entstanden, mit denen ich immer wieder zusammenarbeite – und die mir nicht zuletzt auch wiederum weitere Leute empfehlen. Konzerne sind erfolgreich, weil sie Systeme haben und mit internen Mitarbeitern Synergien schaffen – ich habe eine Plattform geschaffen, die das Gleiche leistet.
IZ: Und das funktioniert auch international?
Mrowetz: Aber natürlich. Manchmal ist es auch notwendig. In Portugal arbeite ich nicht nur mit einem Architekten für das dortige Hotelprojekt zusammen. Auch bei unserem Vorhaben, ein modulares Wohnkonzept in Berlin zu schaffen, gibt es Verbindungen dorthin. Denn während uns in Deutschland keine Herstellerfirma die benötigten Holzmodule liefern konnte, haben wir eine in Portugal für die Zusammenarbeit mit unseren deutschen Ingenieuren ausfindig machen können.
IZ: Das bedeutet doch sicher viel Reiseaufwand für Sie.
Mrowetz: Mobil und papierlos zu arbeiten gehört bei mir dazu. Aber gerade im paneuropäischen Markt gibt es passende Gesetzes- und Wirtschaftsgrundlagen für eine reibungslose Zusammenarbeit. Hinzu kommt, dass die Kulturen sich gut verstehen und Englisch als gemeinsame Sprache immer funktioniert. Wenn ich jedes Mal mit anderen Experten arbeite, dann sind Vertrauen in sie und ihr Können wichtig.
IZ: Vertrauen ist also der Schlüssel für die erfolgreiche Netzwerkarbeit?
Mrowetz: Agilität wird immer wichtiger in einer Welt, die sich ständig verändert. Aus meiner Sicht wächst damit auch die Bedeutung von Softskills, allen voran Vertrauen. Das gilt aber auf zwei Weisen. Nicht nur ich will mich auf Empfehlungen verlassen können, sondern auch selbst vertrauenswürdig sein. Nur so, und indem ich Experten auf der ganzen Welt von meinen Ideen überzeuge, kann ich sie für mich und eine Zusammenarbeit gewinnen. Vertrauen schafft also auch Reichweite.
IZ: Wie wird sich das in den kommenden Jahren noch weiter verstärken?
Mrowetz: In der Immobilienwirtschaft herrschten viele Jahre lang Paradigmen, die sich jetzt lösen. Etwa, dass Mieten und Kaufpreise immer pro Quadratmeter gerechnet wurden und es klare Lagekategorien oder fest definierte Assetklassen gab. So wie sie lösen sich auch Denkweisen zu Unternehmensformen auf. Große Firmen sind insolvent gegangen, weil ihnen die notwendige Agilität fehlte, um auf Veränderungen wie etwa die derzeitigen geopolitischen Unsicherheiten zu reagieren. Synergien sinnvoll zu nutzen, statt alles selbst machen zu wollen, wird immer wichtiger. Erfolgreich werden künftig nicht die größten Organisationen sein, sondern die, die Plattformen und Partnerschaften intelligent orchestrieren. Dafür müssen wir aber das Denken ablegen, dass andere Unternehmen Konkurrenten sind. Das habe ich in diesem Jahr auch von der Mipim mitgenommen: Wer dort aus seinen regionalen Zelten herausgekommen ist, konnte im Austausch mit internationalen Playern sehen, welche Opportunitäten in diesen spannenden Zeiten stecken.
IZ: Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Janina Stadel.
Ihren Einstieg in die Immobilienwirtschaft hatte Jana Mrowetz während der Boomjahre in den USA. Eigentlich arbeitete die studierte Architektin als Produktionsdesignerin beim Film in Los Angeles, als sie zum ersten Mal in ein Haus investierte, das sie nach einer Sanierung weiterverkaufte. Seit zwölf Jahren ist sie
nun Projektentwicklerin und arbeitet aktuell zusammen mit dem Architekturbüro Graft am modularen Wohnprojekt Urban Cell in Berlin sowie an einem Hotel in Portugal.
Janina Stadel
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