Fabio Merkens: "Die wahre Wohnungsnot beginnt im Alter"
Sonntagmorgen, Anfang des Jahres. Ich sitze am Küchentisch meiner Großeltern. Der Kaffee dampft, draußen nieselt es. Eigentlich wollte ich nur kurz vorbeischauen – stattdessen reden wir eine Ewigkeit über Pflegegrade, Pflegedienste und warum man trotz allem lieber im Eigenheim bleibt.
„Ins Heim? Niemals“, sagt mein Opa und schaut entschlossen über die Brille. „Da geh ich erst rein, wenn es gar nicht mehr geht.“ Meine Oma nickt. Und ich merke: Es geht längst nicht mehr. Aber Altern im Eigenheim – das ist für viele die einzige Option.
Das Gespräch lässt mich nicht los. Denn meine Großeltern sind kein Einzelfall. Wir haben in Deutschland schlicht zu wenig Alternativen zwischen Eigenheim und Pflegeheim. Servicewohnen, ambulante Wohngruppen, integrierte Quartiere – es gibt tolle Konzepte. Aber sie sind viel zu selten. Stattdessen überlasten wir Angehörige, stopfen Heime voll und lassen Kommunen mit der Versorgungslücke allein.
Noch schlimmer: Einsamkeit im Alter. Sie ist inzwischen fast genauso gefährlich wie eine chronische Krankheit – und doch planen wir Städte, als ob es das Problem nicht gäbe. Ein Quartier ohne Treffpunkte ist schnell gebaut. Aber was bringt es, wenn die Menschen, die dort wohnen, allein bleiben?
Genau deshalb sage ich: Seniorenwohnen ist keine Nische, sondern Stadtentwicklung. Es reicht nicht, wenn nur Investoren und Betreiber darüber reden. Auch Städte und Stadtentwicklungsgesellschaften müssen endlich Verantwortung übernehmen. Wir merken in unserer Beratungspraxis, dass sich das Blatt langsam wendet: Banken, Bauunternehmen, Versorger – immer mehr Stakeholder steigen ein. Aber der Druck ist groß. Die Generation Achtzig plus wächst rasant, und wir hinken weit hinterher.
Für die Immobilienwirtschaft ist das übrigens keine Last, sondern eine Chance. Denn Seniorenwohnen ist eine stabile Assetklasse. Mit ihr einher gehen langfristige Verträge und eine klare gesellschaftliche Wirkung. Während klassische Segmente schwächeln, kann das Geschäftsfeld Senior Living die Zukunft sein – wenn wir mutig genug sind, nicht nur Häuser, sondern Quartiere zu bauen.
Ich frage mich oft: Wie will ich selbst einmal altern? Im Rückzug oder in Gemeinschaft? Meine Großeltern hatten diese Wahl nicht. Meine Generation muss dafür sorgen, dass künftige Generationen sie haben.
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