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Ein Netzwerk ist nur so gut wie seine Events

Austausch. Mit Future for Architecture will Félix Eduard Weiss jungen Architekten beim Einstieg ins Berufsleben helfen. Das Netzwerk geht demnächst in Berlin an den Start. Auch im Rhein-Main-Gebiet hat sich 2025 ein neues Netzwerk gebildet: Immohub Rhein-Main. Hier treffen sich Menschen, die mit Immobilien Vermögen aufbauen wollen. Jutta Heusel von den Frauen in der Immobilienwirtschaft weiß: Netzwerke sind nur erfolgreich, wenn sie ihren Mitgliedern etwas bieten.

Christoph von Schwanenflug
27. August 2026
„Sie haben immer so viele aktive Mitglieder, wie Sie gute Veranstaltungen haben. “ Jutta Heusel
Quelle: Kollmannsperger Executive Research

Es begann 2019, während seines Studiums in Berlin, als Félix Eduard Weiss in einem Ordner Notizzettel abheftete. Es waren Ideen für ein Architektennetzwerk. Früher als von ihm selbst eigentlich gedacht – „Ich wollte das Netzwerk erst in zwei bis drei Jahren lostreten“ – wird diese Ideensammlung Realität. Am 16. Oktober findet im Gewerbepark Berlin Decks die Auftaktveranstaltung von Future of Architecture (FOA) statt. Gastgeber ist die Firma Beos, die Führung über das Gelände übernehmen Müller Reimann Architekten. Im Anschluss ist eine Diskussion geplant, zu der sich der bekannte Architekt Sergei Tchoban angesagt hat. Ein sehr verheißungsvoller Beginn.

Weiss ist mit seiner Firma Architecture Delivery (Arc-Del) selbstständig. Das Studium ist für den 27-Jährigen aber noch nicht so lange her, als dass er den Unterschied zwischen dem, was an den Universitäten gelehrt wird, und dem, was im Berufsleben gefordert ist, nicht noch stark empfinden würde. „Im Architekturstudium ist der Entwurf ein unrüttelbares Dokument, das durchgezogen wird“, sagt Weiss. In der Realität aber gehe es anders zu. Planer, Finanzierer, Nutzer und Genehmigungsbehörden müssten zusammenwirken, damit ein Bauwerk Wirklichkeit wird. Kompromisse seien für junge „Kreativschaffende“, und als solche sieht Weiss Architekten, aber oft nur schwer auszuhalten. „Einer kreativen Person zu sagen, dass ihr Entwurf abgeändert wird, bricht ihr das Herz.“

Future of Architecture will junge Architekten mit Profis in Kontakt bringen, die diese schmerzhaften Erfahrungen schon gemacht haben. „Ich habe gemerkt, wie groß die Lücke zwischen Studium und tatsächlicher Berufspraxis ist und wie sehr jungen Menschen der persönliche Zugang zu Projekten, erfahrenen Persönlichkeiten und ehrlichem Austausch fehlt“, sagt Weiss. Ein reiner Architektenzirkel soll FOA aber nicht werden. Mit dem Netzwerk Future of Real Estate (Fore), in dem eher die Immobilienkaufleute dominieren, sind gemeinsame Formate geplant. Fore-Mitgründer Nico Riegraf-Leahy gab Weiss bei der Gründung von FOA wertvolle Impulse.

Die positive Resonanz auf seine Idee zeige ihm, dass er richtig liege, sagt Weiss. „Wir sind glücklicherweise auf viel Interesse bei erfolgreichen Architekten und Interior-Designern gestoßen, die der nächsten Generation etwas weitergeben wollen.“ Derzeit suche er „engagierte Gründungsmitglieder sowie Unternehmen und Persönlichkeiten, die FOA begleiten und unterstützen möchten“. Das Netzwerk soll zunächst in Berlin verankert und dann in weiteren deutschen Städten etabliert werden. Auch das Ausland hat Weiss, der in einer deutsch-französischen Familie aufgewachsen ist, im Blick.

Wie erfolgreich ein Netzwerk ist, hängt von der Qualität der Veranstaltungen ab. Das weiß Jutta Heusel, Vorstand des Vereins Frauen in der Immobilienwirtschaft. Mit 1.800 Mitgliedern, die in zwölf Regionen und fünf Fachgruppen organisiert sind, ist der Verein eines der größten und sichtbarsten Netzwerke der deutschen Immobilienbranche. Mit Wiebke Schmidt können sich die Immobilienfrauen sogar eine hauptberufliche Geschäftsstellenleiterin leisten.

„Sie haben immer so viele aktive Mitglieder, wie Sie gute Veranstaltungen haben“, sagt Heusel, die im Hauptberuf Inhaberin der Personalberatung Kollmannsperger in München ist. Die Headhunterin hat die Erfahrung gemacht, dass sich die Mitglieder mit bestimmten Erwartungen dem Netzwerk anschließen. Neben dem beruflichen Fortkommen spiele die Wissensvermittlung eine wichtige Rolle. „Sich zu treffen, nur um sich zu treffen, ist für viele zu wenig.“ Die Frauen wollten fachlichen Input, sie wollten interessante Referentinnen oder Referenten hören oder Gebäude besichtigen, zu denen Normalsterbliche nicht ohne weiteres Zutritt haben. Als Beispiel nennt sie den Besuch des Google-Sitzes in München oder die Führung durch ein interessantes neues Hotel. „Solche Veranstaltungen sind in der Regel sofort ausgebucht.“

Der Verein Frauen in der Immobilienwirtschaft wurde im Jahr 2000 von der inzwischen verstorbenen Ingeborg Warschke ins Leben gerufen. Ein Satz von Warschke ist ihr in Erinnerung geblieben. „Sie müssen nur interessante Veranstaltungen machen, dann finden Sie schon das richtige Level an Frauen.“ Laut Satzung handelt es sich bei dem Verein um einen „Zusammenschluss von in der Immobilienwirtschaft etablierten Frauen“. Zweck ist die „Förderung der Frauen im Bereich der Immobilienwirtschaft unter anderem auf den Gebieten der Berufsbildung, der Gleichberechtigung und Gleichstellung der Frau in Gesellschaft, Beruf und Familie“. Trotz der in diesen Sätzen mitschwingenden politischen Implikationen halten sich die Immobilienfrauen mit politischen Stellungnahmen zurück. „Wir sind überparteilich und wollen als Fachnetzwerk wahrgenommen werden“, sagt Heusel. In einem übergeordneten Sinne wirke der Verein aber durchaus gesellschaftspolitisch, „indem er nämlich erfolgreiche Frauen sichtbar macht“.

Wenn es um fachliche Weiterbildung geht, kennen die Frauen aber keine Zurückhaltung. Der Terminkalender der einzelnen Regionen ist in der Regel prall gefüllt. „Allein wir in München haben zwei Frühstücke im Monat, ein After-Work-Meeting und bestimmt drei Events im Monat.“ Viele Mitglieder brächten sich mit eigenen Vorschlägen ein. Die Frauen in der Immobilienwirtschaft haben zudem einen Pool von Fachfrauen, die man zu bestimmten Themen als Referentinnen buchen kann. Um junge Frauen für den Verein zu gewinnen, wurde unlängst die Sektion Young Leaders gegründet. Mitglieder, die aus dem Beruf ausgeschieden sind, können sich als Senior Experts einbringen. „Wir gehen mit der Zeit und versuchen immer wieder etwas Neues“, sagt Heusel. Im Mai 2027 findet in Hamburg wieder die Veranstaltungsreihe Visionale statt.

Aus ganz anderen Motiven entstand ein Netzwerk, das sich im vergangenen Jahr im Rhein-Main-Gebiet gebildet hat: Immohub Rhein-Main. Hier geht es weniger darum, durch Kontaktpflege vielleicht den nächsten Karriereschritt anzubahnen, sondern darum, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, wie man mit Immobilien Vermögen aufbauen kann. Welchen Berufen die Teilnehmer nachgehen, spielt eine untergeordnete Rolle. Der Impuls zu Immohub Rhein-Main kam von Abasin Halim, der in der IT-Abteilung der Helaba in Frankfurt arbeitet. Seine Mitstreiter sind Elektromeister Nick Hübner von Elektro Hübner in Ginsheim-Gustavsburg und der Gastronom Wolfgang Trollmann, Inhaber des Hotels Weinhaus Wiedemann in Ginsheim-Gustavsburg.

Halim begann sich für Immobilien zu interessieren, als er sich Gedanken um die Altersversorgung seiner Eltern machte. „Mein Vater ist Koch und kam mit Mitte 30 nach Deutschland. Ich kenne keinen Koch, der eine gute Altersversorgung hat“, erzählt Halim. Irgendwann habe er dann die erste Wohnung gekauft. Seitdem lässt ihn das Thema Investieren in Immobilien nicht mehr los. Er will von anderen lernen, um Fehler zu vermeiden.

2025 veranstaltete das Trio den ersten Stammtisch. Neun weitere Veranstaltungen folgten, in diesem Jahr hat bereits jeden Monat ein Event stattgefunden. „Unser Netzwerk ist bunt gemischt. Zu uns kommen Leute ohne Immobilien und Menschen, die mehrere Hundert Wohnungen besitzen“, sagt Hübner. Halim hebt hervor, dass auch viele Frauen kämen. „Auch von den Frauen in der Immobilienwirtschaft waren schon welche da.“ Die Whatsapp-Gruppe von Immohub Rhein-Main hat eineinhalb Jahre nach der Gründung schon rund 600 Mitglieder. Die Gruppe dient allein der Information der Mitglieder und dazu, zu den Veranstaltungen einzuladen.

Derzeit hat das Netzwerk zwei Sponsoren, die bei Veranstaltungen Aufsteller platzieren dürfen. Immohub Rhein-Main hat sich dafür entschieden, für seine Veranstaltungen Eintritt zu nehmen. Keine Unsummen, aber doch so viel, um Verbindlichkeit zu erzeugen. „Wenn jemand ein Ticket kauft, zeigt er damit, dass er auch wirklich kommen will.“

Immohub Rhein-Main lädt Experten ein, die zu einem Thema sprechen. Meist geht es um die praktischen Seiten des Immobilienerwerbs und der Immobilienverwaltung. Im Juni war Samet Evcil zu Gast, der unter dem Namen Immodaddy auf Youtube Bekanntheit erlangt hat. Es ging aber auch schon um Homestaging, Fix & Flip oder um einen Überblick über den deutschen Immobilienmarkt. Beim nächsten Stammtisch am 2. September stehen digitale Immobilienverwaltung, Energieberatung, Immobilieninvestments und Mietrecht auf der Tagesordnung. Vier Speaker sind dazu geladen. „Ein Netzwerk zu gründen und am Leben zu halten, kostet enorm viel Zeit“, sagt Halim. „Aber wir können die Arbeit auf mehrere Schultern verteilen.“

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