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Aengevelt passt Frankfurter Büro dem schwachen Markt an

Der schwächelnde Transaktionsmarkt macht Maklerhäusern zu schaffen. Aengevelt zollt der schwierigen Lage Tribut: Das Düsseldorfer Traditionshaus wird seine Frankfurter Niederlassung flautebedingt zur Repräsentanz schrumpfen.

Harald Thomeczek
22. Mai 2026
Die Gesellschafter Mark und Chiara Aengevelt.
Quelle: Aengevelt Immobilien

Der Trend mag leicht aufwärts gehen, aber die Zahlen sind weiter ernüchternd. „Der Geldumsatz auf dem Frankfurter Investmentmarkt liegt immer noch 43% unter dem Zehnjahresschnitt“, sagt Gesellschafter Mark Aengevelt. „Bei Wohnen beträgt das Minus 14%, bei Gewerbeimmobilien sogar ein Viertel – darauf antworten die Marktteilnehmer.“

Der Irankrieg schürt neue Verunsicherung: „Viele Investoren haben die Pausentaste gedrückt und wollen das Momentum nutzen, um Kaufverträge neu zu verhandeln“, berichtet Daniel Milkus, Niederlassungsleiter von Aengevelt in Frankfurt. „Anleger können mit jedem Zinsniveau leben, solange die Situation halbwegs berechenbar ist. Im Moment weiß aber keiner, was zwischen Signing und Closing noch alles passieren kann. Daher sind viele besorgt, dass sie sich vorschnell festlegen könnten.“

Wenig Bewegung geht weiterhin von Core-Fonds auf der Verkäuferseite aus. Diese kommen nämlich nicht so schnell unter Wasser, weil sie die Krise auf ihrer hohen Eigenkapitalquote aussitzen können. Zu Abwertungen, die die Preisvorstellungen potenzieller Käufer treffen würden, haben sich die Fondsmanager darum noch nicht durchgerungen. „Der deutsche Markt ist buchwerttechnisch starr, und wenn dann noch exogene geopolitische Faktoren hinzukommen, macht das die Sache nicht einfacher“, erklärt Milkus.

Das Büro bleibt ein Sorgenkind

Vor allem Büroinvestments, vor der Zinswende buchstäblich eine sichere Bank in Frankfurt, darben seit Jahren. Und selbst in der Bürovermietung, die letztes Jahr mit einem in den Statistiken mit einem dicken Umsatzplus brillierte, haben die Makler lange nicht mehr so viel zu tun wie vor Corona und der Teilverlagerung der Büroarbeit ins Homeoffice: Das Gros des Flächenumsatzes im vergangenen Jahr entfiel auf neun Großabschlüsse, merkt Milkus an.

Chiara Aengevelt, Mitgesellschafterin und Cousine von Mark Aengevelt, beschreibt, welche Antwort Aengevelt auf die anhaltend deutlich niedrigeren Transaktionsniveaus in Frankfurt gibt. „Wir werden Frankfurt zu Beginn des dritten Quartals als Repräsentanz positionieren.“ Bis dato ist das Frankfurter Büro eine klassische, vollwertige Niederlassung.

Das volle Dienstleistungsspektrum für die Kunden bleibe erhalten, doch werde das Maklerunternehmen in Frankfurt ab dem dritten Quartal einen „gestrafften Footprint“ zeigen – dafür aber eine „sehr enge strategische Anbindung an und operative Integration in Düsseldorf mit unseren zentralen Dienste schaffen“, so Chiara Aengevelt.

„Wir bleiben dem Frankfurter Markt mit mir erhalten“

Aktuell ist Aengevelt in Frankfurt mit sieben Mitarbeitern vor Ort tätig. Ob und – wenn ja – wie viele davon das Unternehmen verlassen werden, sagt Chiara Aengevelt mit Rücksicht auf die Vertraulichkeit von Arbeitsverträgen nicht. Milkus, seit 20 Jahren das Aengeveltsche Gesicht in der Bankenstadt, sagt dazu: „Die Veränderungen gehen natürlich mit einem verkleinerten Fußabdruck einher, aber wir bleiben dem Frankfurter Markt in meiner Person erhalten.“

Seine Kräfte konzentrieren will Milkus künftig auf Zielgruppen und Segmente, „die funktionieren“. Dazu zählt er zwar auch das Büro. Dieser Tage erst habe man ein „kleines Trophy Building im Bürosegment“ im Frankfurter Westend an ein Family-Office in neue Hände gebracht.

Umsatzträchtiger sind zurzeit aber „alle Wohnformen, auch gewerbliches Wohnen“. So hat Aengevelt unlängst ein zur Flüchtlingsunterkunft umfunktioniertes, ehemaliges Hotel mit rund 9.000 qm im einstigen Bürostadtteil Niederrad an den internationalen Kapitalanleger Franklin Real Asset Advisors vermittelt. Dieser handelt auf Rechnung der ausländischen Anleger seiner „Core Franklin Templeton Social Infrastructure Strategy“. Zudem wurde der Verkauf eines Wohnhauses mit knapp 80 Einheiten in zentraler Lage angebahnt.

Rechenzentren gleichen die Schwächen der Klassiker nicht aus

In der Kategorie Gewerbe vermittelte Milkus ein Light-Industrial-Industrial–Objekt, erneut an ausländische Kapitalquellen. „Internationale Investoren nehmen Deutschland und Frankfurt als stabiler wahr als deutsche Anleger“, so seine Beobachtung.

Im Blick hat Milkus auch Infrastruktur-Assets: „Das ist eine Wachstumsbrache.“ So hat Aengevelt etwa ein Grundstück in Neu-Isenburg an den australischen Projektentwickler und Fondsmanager Goodman verkauft. Die Australier entwickeln dort einen Hyperscaler mit 70 bis 100 MW. Der Haken an der Sache: „Rechenzentren sind generell kein beliebig skalierbares Geschäftsmodell.“

Karriere
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Eine Schulterverletzung beendete Anfang der 2000er Jahre Fabian Spindlers Karriere im Basketball. Der gebürtige Schwabe sattelte um und stieg in die Immobilienbranche ein. Seit rund 15 Jahren ist er für den Immobilienfonds-Anbieter Jamestown in Köln tätig. Angefangen hat er dort als Trainee und Assistant Fund Manager. 2016 zog es ihn nach Atlanta zum US-amerikanischen Hauptsitz des Unternehmens. Dort war er für das Portfoliomanagement und die deutschen Privatkundenfonds zuständig, bevor er Ende 2019 als Geschäftsführer nach Köln zurückkehrte.

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